Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for April, 2012

Lacertidae Teil 3: Waldeidechsen

Samstag, April 7th, 2012

Neben der relativ häufig zu sehenden Zauneidechse und der ursprünglich nur in sehr wenigen Gebieten natürlich vorkommenden Mauereidechse gibt es noch eine dritte, außerordentlich weit verbreitete Eidechsenart in Deutschland, die Waldeidechse (Zootoca vivipara), welche auch als Berg-oder Mooreidechse bekannt ist. Im Gegensatz zu Zaun-und Mauereidechsen ist die Waldeidechse weit weniger wärmebedürftig, und ist daher auch weit weniger an sonnenbeschienene Mauern oder Felsen gebunden. Bisher habe ich auch nur relativ wenige Waldeidechsen gesehen, wovon die meisten Jungtiere waren. Die meisten habe ich auf Waldwegen entdeckt, beziehungsweise auf Grünflächen oder Steinhalden neben Waldwegen.

Das Verbreitungsgebiet reicht im Norden bis nach Ostsibirien, der Barentsee und dem Polarkreis. Der Schlüssel zur Besiedlung dieser nicht gerade reptilienfreundlichen Klimagebieten dürfte unter anderem in ihrer Fortpflanzung zu finden sein, denn wie der Name Zootoca vivipara bereits andeutet, bekommen Waldeidechsen lebende Junge, aber dazu später mehr.

Waldeidechsen sind in der Regel sehr unauffällig bräunlich gefärbt, wobei hier auch kein wirklich auffälliger Unterschied zwischen den Geschlechtern vorhanden ist, abgesehen davon dass die Männchen zur Paarungszeit am Bauch orange oder rötlich gefärbt sein können. Interessanterweise kommen in einigen Gebieten wie etwa dem Großen Feldberg auch vermehrt hypermelanistische, also schwarz gefärbte Exemplare vor. Waldeidechsen sind teilweise recht schwer von Mauereidechsen und weiblichen Zauneidechsen zu unterscheiden, da sie in ihrer Färbung sehr ähnlich sein können. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich eine Waldeidechse direkt neben einer weiblichen Zauneidechse photographieren. Abgesehen davon dass das Muster der Zauneidechse insgesamt etwas “gröber” ist, fallen vor allem die Unterschiede in den Proportionen auf. Zauneidechsen haben einen größeren und spitzeren Kopf, eine kürzeren Schwanz und kräftigere Beine, außerdem ist der Schwanz stärker vom Rumpf abgesetzt. Die Unterscheidung zu Mauereidechsen ist dagegen schon deutlich schwieriger. Ein typisches Merkmal der Waldeidechsen ist der lange und dabei ziemlich dicke Schwanz, wohingegen der Schwanz von Mauereidechsen auf ganzer Länge deutlich dünner ist.

Dieses subadulte Exemplar habe ich mitten im Laub neben einem Waldweg entdeckt.

Hier sieht man sehr schön den dicken Schwanz, der sich nur relativ geringfügig vom Rumpf absetzt:

Wie bereits geschrieben pflanzen sich Waldeidechsen vivipar fort, genaugenommen ovovivipar. Die Jungen sind bei der Geburt meistens noch von einer Eihaut umschlosse, aus der sie sich aber relativ schnell befreien, teilweise sogar schon vor der Geburt. Dadurch das Waldeidchsen ihre Eier nicht von der Sonne ausbrüten lassen müssen, sind sie in der Lage deutlich kühlrere Klimazonen zu besiedeln als eierlegende Arten, denn die Weibchen können aktiv sonnenbeschienene Gebiete aufsuchen und so ihre Körpertemperatur, und damit auch die in ihnen befindlichen Eier erwärmen. Allerdings sei hier bemerkt dass es in südlicheren Populationen auch tatsächlich normal eierlegende Waldeidechsen gibt.

Die Jungtiere sind noch deutlich dunkler als die Alttiere, und eher kupferfarben bis schwärzlich.

Hier noch im Vergleich dazu eine junge Zauneidechse:

…und noch eine:

 

Lacertidae Teil 2: Mauereidechsen

Donnerstag, April 5th, 2012

Heute der zweite Teil der Serie Lacertidae, dieses Mal über Mauereidechsen. Leider habe ich von diesen weitaus weniger Bildmaterial als von Zauneidechsen, daher gibt es nur drei Photos. Das obere Photo entstand an einer der Mauern um das Tübinger Schloss, und auch dieses Photo kommt mitten aus Tübingen, von einer Mauer vor einer kleinen Grünfläche:

Die Mauereidechse (Podarcis muralis) ist eine vor allem im südeuropäischen Raum ansässige Art, in Deutschland kam sie ursprünglich nur in klimatisch begünstigen Gebieten vor. Allerdings wurde sie in eine ganze Reihe von Gebieten verschleppt, beziehungsweise ausgesetzt. Bei den Tübinger Mauereidechsen handelt es sich um P. m. maculiventris, die ursprünglich aus Bozen stammen.Ursprünglich kamen sie primär an den Mauern um das Tübinger Schloss vor, im Jahre 1983 wurden allerdings wegen Renovierungsarbeiten 50 Eidechsen abgesammelt, und in einem geeigneten Gebiet nahe des alten botanischen Gartens ausgesetzt. Die Stelle an welchem ich das zweite Photo machte, ist nur etwa 300 Meter von diesem Aussetzungsort entfernt, und inzwischen haben sich die Mauereidechsen an den im alten Klinikbereich befindlichen Mauern recht gut vermehrt, und sind teilweise auch nur wenige Meter von der Hauptstraße zu sehen.

In manchen Gegenden kommen auch deutlich farbenprächtigere Unterarten der Mauereidechse vor, die aus dem südeuropäischen Gebiet ausgesetzt wurden. Allein im Raum Stuttgart gibt es mehrere verschiedene Unterarten, welche sich teilweise dort wo sich ihre Verbreitungsgebiete überschneiden, auch hybridisieren. Selbst auf anderen Kontinenten konnten sie sich inzwischen in einigen Gebieten erfolgreich ansiedeln, etwa in Nord-Kentucky und Cincinnati in Ohio. Die dortige Population geht auf zehn Individuen aus Norditalien zurück, die 1950 von einem Jungen aus dem Urlaub mitgebracht wurden. Auf Vancouver Island, Kanada, gibt es ebenfalls eine Population, die auf zwölf Eidechsen zurückgeht, welche 1970 von einem kleinen Privatzoo ausgesetzt wurden. Auch in Großbritannien gibt es mindestens 46 Populationen.

Die Mauereidechse ist in ihrem südeuropäischen Verbreitungsgebiet sehr variabel in der Färbung, die bei uns vorkommenden Populationen sind dagegen relativ einheitlich gräulich bis kupferfarben. Die Art ist seht anpassungsfähig, und kommt teilweise auch mitten in Siedlungsgebieten vor.

Mauereidechsen haben einen recht langen Schwanz, und sind auch insgesamt etwas weniger kompakt als Zauneidechsen.

Nach einigem Suchen habe ich dann doch noch ein weiteres brauchbares Photo einer Mauereidechse gefunden, welches ich letztes Jahr auf der im Bodensee befindlichen Insel Mainau gemacht habe:

Ich konnte damals nicht besonders viele Eidechsen sehen, geschweige denn photographieren, allerdings entdeckte ich später dass einige der dort ansässigen Männchen teilweise deutlich grüner gefärbt sind, als alle Exemplare die ich bisher in Tübingen gesehen habe, obwohl es sich ebenfalls um die Unterart P. m. maculiventris handelt.

 

Sehr ausführliche Informationen über die Mauereidechsen in Deutschland findet man auf http://lacerta.de/AS/MenuVerschleppung.php?Kind=4

 

Lacertidae Teil 1: Zauneidechsen

Mittwoch, April 4th, 2012

Aufgrund der Tatsache dass ich vor kurzem die ersten einheimischen Eidechsen dieses Jahres gesehen habe, und ich auch noch eine Menge Bildmaterial anderer Lacertiden haben, habe ich mich entschlossen eine kurze Reihe über diese Tiere zu machen. Ich fand Eidechsen schon immer ziemlich interessant, und war auch immer schon etwas enttäuscht darüber dass die mitteleuropäische Reptilienfauna so vergleichsweise armselig ist, aber wenn man sich etwas näher mit unseren Eidechsen auseinandersetzt, entdeckt man auch hier einige Überraschungen. Den Anfang der Serie macht die Zauneidechse (Lacerta agilis).

Hier mal ein Photo meines ersten Zauneidechsen-Männchens das ich dieses Jahr entdeckt habe:

Die Farbe von Zauneidechsen ist insbesondere bei den Männchen höchst variabel. Manche sind fast komplett braun oder oliv wie etwa dieses Exemplar:

Andere dagegen sind beinahe schon grellgrün, wobei man wirklich erstaunt ist wie intensiv gefärbt selbst unsere “langweiligen” deutschen Eidechsen sein können:

Man sieht auf dem obigen Bild auch sehr schön die relativ typische Zeichnung über dem Rücken, welche bei manchen Exemplaren auch einfarbig rostbraun sein kann, wobei ich das selbst leider noch nie gesehen habe. Bei manchen Männchen fehlt dieses Muster sogar fast komplett, so dass sie beinahe komplett grün sind, und eher wie Smaragdeidechsen aussehen:

Die Variabilität der Färbung und Muster ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass alle der  hier gezeigten Männchen aus der gleichen Population kommen, und teilweise “Mauer and Mauer” leben.

Bei jungen Männchen sind die Farben noch nicht so stark ausgeprägt, vor allem das intensive Grün entwickelt sich erst mit der Zeit. Man erkennt auch gewisse Unterschiede in den Proportionen des Kopfes im Vergleich zu den ausgewachsenen Männchen:

Die Weibchen sind in Bezug auf die Färbung weit weniger variabel, bei ihnen herrschen primär verschiedene Brauntöne vor, welche auch ins gräuliche oder rostfarbene gehen können:

Die Weibchen unterscheiden sich nicht nur in der Färbung von den Männchen, sondern auch in den Proportionen. Ihr Rumpf ist insgesamt etwas länger, dafür haben die Männchen einen etwas längeren Schwanz und auch einen größeren und kompakteren Kopf. Hier noch mal ein anderes Weibchen:

Zuletzt habe ich hier noch ein Photo eines jungen Männchens mit einem erst im frühen Stadium befndlichen Schwanzregenerat: