Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for August, 2011

Bild des Tages: Schädel des Riesenbibers Castoroides ohioensis

Sonntag, August 28th, 2011

Die bisher vorgestellten Schädel großer Nagetiere stammten alle von noch rezenten Arten, aber an dieser Stelle möchte ich auch noch eine -leider ausgestorbene – fossile Spezies vorstellen. Es handelt sich um Castoroides ohioensis, eine von mehreren Arten prähistorischer Riesenbiber. Die Größe von Casteroides wird oft als “so groß wie ein Schwarzbär” angegeben. Dieser Vegleich ist allerdings aus mehreren Gründen problematisch, unter anderem deswegen weil Schwarzbären abhängig von Geschlecht, Alter, Ernährung und lokaler Rasse ganz erheblich in ihrer Größe schwanken, und zwar im Extremfall im Faktor eins zu zehn. Zudem war Castoroides allem Anschein nach auch weniger schwer als die in früherer Zeit verbreiteten Schätzungen von bis zu 220 kg. Die teilweise angegebenen Schätzungen von 60-100 kg kommen mir allerdings zumindest im unteren Bereich als zu wenig vor, vor allem wenn man bedenkt dass schon ein normaler Biber leicht Gewichte zwischen 20 und 30 kg erreicht. Insgesamt erreichten sie eine Länge bis zu 2,5 m, wobei der Schwanz, welcher übrigens im Gegensatz zu den heutigen Bibern nicht paddelförmig abgeplattet war, relativ lang gewesen ist. Hier sieht man einen Schädel von C. ohioensis aus dem Naturkunde-Museum Berlin:

Die Schneidezähne von waren nicht nur in der absoluten Dimensions, sondern auch proportional noch größer als die von lebenden Biber, auch war der Kopf proportional zum Körper größer. Einen Vergleich in der Größe der Schädel sieht man auf diesem Photo aus dem Naturkunde-Museum Karlsruhe:

Die Zähne waren auch nicht nur proportional länger, sondern auch breiter als bei modernen Bibern, und deuten darauf hin dass sie sich weniger von Weichhölzern und Rinde, sondern vor allem ähnlich wie Capybaras als Weidetiere ernährten. Es gibt aber Hinweise darauf dass sie durchaus auch Dämme oder zumindest “Biberburgen” bauten.

Noch mal eine Ansicht welche schön die Zähne zeigt:

Anzumerken sei noch dass es sich sowohl bei Castoroides ohioensis, als auch der aus Florida bekannten verwandten Art Castoroides leiseyorum nicht um Biber im eigentlichen Sinne handelte, und sie sich außer in der Größe auch in vielen anderen Aspekten ihrer Anatomie und ihres Verhaltens unterschieden. Auch handelte es sich nicht wie gelegentlich fälschlich behauptet um die Vorfahren der heute lebenden nordamerikanischen Biber.

Bild des Tages: Biberschädel

Sonntag, August 28th, 2011

Spricht etwas dagegen an einem Tag zweimal ein Bild des Tages zu veröffentlichen? Eigentlich nicht, und außerdem habe ich grade Lust noch mehr zu schreiben, weil ja auf dem Blog so wenig los ist. Daher gibt es jetzt in Weiterführung der Reihe von großen Nagetierschädeln ein Photo eines Biberschädels aus der Zoologischen Schausammlung Tübingen:

Wie man sieht wurde hier der Knochen freipräpariert um die großen mittleren Schneidezähne in ihrem Verlauf innerhalb der Kiefer darzustellen. Dabek sieht man auch wie lang die Wurzeln, insbesondere im Unterkiefer, im Vergleich zum tatsächlich sichtbaren Teil der Zähne sind. Beim Wachstum der Zähne wird an der Wurzelspitze neue Zahnhartsubstanz gebildet, und der Zahn schiebt sich langsam weiter nach vorne. Diese “offenen” Wurzeln findet man auch bei verschiedenen anderen Tiere, bei denen zeitlebens Zähne weiterwachsen, etwa bei den Stoßzähnen von Elefanten oder den Eckzähnen von Schweinen. Die äußere Schicht der Schneidezähne nutzt sich beim Nagen schneller ab als die innere, dadurch ensteht die typische Meiselform von Nagetierschneidezähnen, welche dafür sorgt dass sie immer scharf bleiben.

Bild des Tages: Stachelschweinschädel

Sonntag, August 28th, 2011

Eigentlich würde ich ganz gerne mal wieder was anderes veröffentlichen, aber ich dachte es würde andererseits auch recht gut passen wenn ich noch ein paar Mal Schädel von großen Nagetieren zeige. Dieses Mal einer des Gewöhnlichen Stachelschweins , aus der Zoologischen Schausammlung Heidelberg:

Es gäbe mal wieder ziemlich viel das man über Stachelschweine schreiben könnte, aber dafür fehlt mir im Moment die Zeit und Lust. Auffällig ist auf jeden Fall die sehr starke Konvexität im Stirnbereich, welche beim lebenden Tier aufgrund des Fells und der Stacheln kaum auffällt. Interessant ist auch die Tatsache dass diese Art ziemlich groß werden kann, und Gewichte von mehr als 20 kg erreichen kann, was für ein Nagetier schon ausgesprochen schwer ist. Übrigens kommt das Gewöhnliche Stachelschwein auch in Süd-und Mittelitalien sowie Sizilien vor, allerdings beruhen diese Vorkommen auf vermutlich schon in der Römerzeit erfolgte Ansiedlungen.

Bild des Tages: Capybara-Schädel II

Montag, August 15th, 2011

Heute gibt es noch mal ein Photo eines Capybaras, diesmal in Seitenansicht, wobei man die anatomischen Strukturen des Schädels und vor allem die Zähne besser erkennen kann. Das Photo habe ich übrigens in der äußerst interessanten Zoologischen Sammlung in Heidelberg gemacht.

Bild des Tages: Capybara-Schädel

Sonntag, August 14th, 2011

Ich habe ja schon wieder sträflicherweise sehr lange nichts mehr geschrieben. Also endlich mal wieder eine kleine Rückmeldung, um zu zeigen dass der Blog noch lebt. Heute gibt es den Schädel eines Capybaras oder Wasserschweines , (Hydrochoerus hydrochaeris) und dazu im direkten Vergleich auch noch jenen einer Thomsongazelle (Eudorcas thomsonii). Diese beiden Schädel sind im Rosensteinmuseum in Stuttgart ausgestellt, und illustrieren sehr deutlich die völlig unterschiedlichen anantomischen Eigenheiten der beiden Tiere, sowie der durch der einigermaßen ähnlichen Lebensweisen als Grasfresser bedinten Ähnlichkeiten.

Man sieht recht gut die außerordentlich gut ausgeprägte Ansatzstelle des Musculus masseter im Kieferwinkel des Capybara-Schädels.