Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for Mai, 2010

Riesenmuscheln

Samstag, Mai 15th, 2010

Heute gibt es zwei Photos eines wunderschönen Exponates aus der Wirbellosen-Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien zu sehen, eine gewaltige Riesenmuschel. Leider kann ich nicht sagen um was für eine Art es sich genau handelt, da ich darauf damals leider nicht geachtet habe, möglicherweise handelt es sich aber um eine Große Riesenmuschel (Tridacna gigas).

Was mir an diesem Exponat besonders gut gefällt, ist die Rekonstruktion der Weichteile. Die leere Schale sieht mit ihrer gewaltigen Größe schon sehr spektakulär aus, doch das wirklich sehr gut modellierte “Innenleben” zeigt die Muschel erst in ihrer wirklichen Pracht. Muscheln und Schnecken gehören nicht unbedingt zu den populärsten Meeresbewohnern, und nur selten wird ihnen in allgemeiner gehaltenen Büchern oder erst Recht im Fernsehen etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, dabei gibt es unter ihnen nicht nur eine ganze Reihe sehr bizarrer Arten (vor allem unter den Schnecken), sondern teilweise auch enorm große. Es gab auch einige extrem große fossile Formen, über die man aber leider so gut wie nie etwas lesen kann. Vielleicht finde ich ja mal etwas Zeit über die zu schreiben.

Die lebenden Riesenmuscheln der Gattung Tridacna können teilweise wirklich monströse Ausmaße erreichen. Ich kenne mich mit ihnen nicht gut genug aus um die Größenangaben kritisch hinterfragen zu können. Man findet teilweise Längenangaben bis zu 1,40 m und Gewichte bis 400 kg, aber bei solchen Sachen ziehe ich es normalerweise vor etwas Eigenrecherche zu betreiben. Ich habe daher mal schnell in “The Guiness Book of Animal Facts & Feats” fon Gerald Wood nachgeschlagen. Dort wird für die größte Riesenmuscheln ein Exemplar aus dem American Museum of Natural History genannt, welches eine Schalengröße von 109 mal 73 cm hat, und ein Gewicht von 263, 4 kg. Desweiteren wird ein Exemplar aus dem Great Barrier Reef östlich der Nordostküste von Queensland erwähnt, das 1917 gesammelt wurde und dessen Lebendgewicht bei etwa 600 Ib, also etwa 270 kg gelegen haben könnte. Ein weiteres extrem großes Exemplar wurde 1817 nordöstlich von Sumatra gesammelt, welches 137 cm lang war und 230,4 kg gewogen hat.  Das Australian Museum in Sydney besitzt ebenfalls ein ungewöhnlich großes Exemplar mit einem Gewicht von 227,2 kg.  Diese Rekordexemplaren lassen ein Gewicht von bis zu 400 kg zugegebenerweise etwas fragwürdig erscheinen, auch wenn ich das jetzt nicht kategorisch vollkommen ausschließen möchte. Aber es ist schon sinnvoller bei den tatsächlich nachgewiesenen Angaben zu bleiben.

Der größte Teil des Gewichtes wird von den massiven Schalen ausgemacht, und nicht vom eigentlichen Körper, daher ist selbst bei einer mehrere Zentner schweren Riesenmuschel die Fleischausbeute verhältnismäßig gering. Betrachtet man jedoch das Gesamtgewicht, dann steht Tridacna gigas nicht einmal hinter den schwersten Riesenkalmaren der Art Architeuthis dux wirklich zurück. Entgegen weitverbreiteter falscher Angaben lagen die höchsten dokumentierten Gewichte für Riesenkalmare “nur” bei 275 kg, und das waren schon ziemliche Ausnahmen, denn die allermeisten anderen waren deutlich kleiner. Im Endeffekt sind die paar Kilogramm Unterschied zwischen den größten Riesenkalmaren und den größten Riesenmuscheln auch nicht relevant, weshalb man bei durchaus gleichberechtig in der Liste der größten lebenden Weichtiere an zweiter Stelle führen kann. An erster Stelle kommt natürlich der Kolosskalmar Mesonychoteuthis hamiltoni.

Hie sieht man noch mal eine etwas nährere Ansicht der Riesenmuschel aus Wien:

Was ich auch sehr schön finde, ist das Minuaturdiorama mit Steinen und Korallen um die Riesenmuschel herum.

Riesenmuscheln werden gemeinhin ja oft auch Mördermuscheln genannt, und natürlich stellt sich die Frage inwieweit dieser doch recht blutdürstige Titel tatsächlich berechtigt ist. Zweifellos haben die an ein riesiges Maul erinnernden Schalen ihren Teil dazu beigetragen. Doch es gibt auch tatsächlich einige ernstzunehmende Berichte über von Riesenmuscheln getötete Taucher. Natürlich ist hierbei nicht von einem Fressakt die Rede, denn auch wenn die Schalen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem klaffenden Rachen haben, so sind sie doch damit nicht in der Lage größere Lebewesen als Plankton zu fressen. Doch wenn ein Mensch aus irgendwelchen Gründen mit einer Hand oder einem Fuß zwischen die Schalen kommt, und diese zuklappen, besteht durchaus die Gefahr des Ertrinkens. Zweifellos sind Riesenmuscheln in der Lage ihre Schalen mit enormer Kraft zu schließen. Der berühmte Tauchpionier Hans Hass machte einmal vor vielen Jahren ein Experiment, bei welchem er eigentlich vorhatte die angebliche potentielle Gefahr der Riesenmuscheln zu widerlegen. Hierfür wurde das mit Gips augesgossene Bein einer Schaufensterpuppe kurz zwischen die klaffenden Schalen einer Riesenmuschel gesteckt, und wieder herausgezogen. Zumindest sollte es so funktionieren. Die Schalen der Muschel schlossen sich aber augenblicklich, und es war selbst mit größter Kraftanstrengung nicht möglich das Bein wieder frei zu bekommen. Erst als mit Hilfe eines an einen Stock gebundenen Messers der Schließmuskel der Muschel durchtrennt wurde, konnte das Bein wieder befreit werden. Obwohl es massiv mit Gips ausgegossen war, hatten die Schalenränder zentimetertiefe Eindrücke hinterlassen.

Ein französicher Naturforscher namens Vaillant machte 1883 ein Experiment um die Stärke der Riesenmuscheln zu ermitteln. Hierfür befestigte er an einer Schalenhälfte einer ungewöhnlich großen Riesenmuschel von 150 kg Haken, um dann mit kontinuierlich ansteigendem Druck daran zu ziehen. Hierfür verwendete er mit Wasser gefüllte Gefäße, so dass sich das Gewicht gut kalkulierbar und ohne viel Aufwand steigern lies. Erst bei 891 kg gab die Schalen nach und öffneten sich. Dies ist im Prinzip umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass die eigentliche Muskulatur nur einen verschwindend kleinen Teil der Gesamtmasse ausmacht. Selbst bei einem kleineren Exemplar hätte ein Mensch praktisch keine Chance wenn er aus welchen Gründen auch immer mit einem Fuß oder einer Hand zwischen den Schalen gefangen wärre, es sei denn er würde es irgendwie schaffen die Schließmuskeln zu zerschneiden. Wie viele Menschen nun tatsächlich auf solche Weise zu Tode gekommen sind, ist natürlich fraglich, die Anzahl dürfte ausgesprochen klein sein. Die wenigen Fälle haben teilweise auch durchaus stark legendenhafte Züge, weshalb es schwierig ist, ihre Glaubwürdigkeit zu beurteilen, etwa bei der angeblichen Entdeckungsgeschichte der Perle von Lao Tzu.  Diese größte Perle der Welt hat einen Durchmesser von 24 cm und ein unglaubliches Gewicht von 6,4 kg. Man darf sich diese Monstrum einer Perle aber nicht als eine in zarten regenbogenfarben schimmernde Kugel vorstellen, sondern eher als einen reinweißen amorphen Klumpen Riesenkaugummie. Riesenmuscheln bilden an ihren Schaleninnenseiten kein Permutt, und lagern daher auch an eingedrungenen Fremdkörpern kein Perlmutt ab, daher erscheinen die in ihnen gebildeten Perlen eher porzellanartig. Hier sieht man ein Photo dieser Perle (aus Wikipedia):

Die größte Perle der Welt

Es gäbe noch jede Menge mehr was man über Riesenmuscheln erzählen könnte, über ihre Symbiose, ihre Bedrohung durch massive Ausbeuting, ihre Zucht in Aquakulturen und noch vieles mehr. Vielleicht kommt aber in nächster Zeit noch etwas mehr über Mollusken.

Endlich mal wieder ein Feuersalamander

Samstag, Mai 8th, 2010

Es ist schon irgendwie absurd, da hat man wirklich tausende (inzwischen wohl eher bald zehntausende) von Photos aus Museen, Zoos oder direkt aus der Natur, und man findet trotzdem selbst nach langem Suchen keines das man für einen Blogpost nehmen könnte… Ein Grund besteht darin dass man zu den meisten Photos eigentlich noch eine ganze Menge schreiben könnte, oder wohl eher sollte, wofür ich aber auch oft keine Zeit habe. Leider hatte ich die letzten Wochen kaum noch Zeit für den Blog, daher ist auch schon ziemlich lange nichts mehr Neues dazugekommen. Da ich grade etwas Zeit erübrigen kann, kommen jetzt endlich mal wieder ein paar neue Photos, welche letztes Wochenende entstanden und sich gut in die schon im vorletzten Eintrag angeschnittene Thematik der heimischen Amphibien einreihen.

Da das Wetter in letzter Zeit ja vielfach massiv zu wünschen übrig ließ, und ich auch sowieso keine Zeit hatte, bin ich nur ziemlich selten mal “raus” gekommen. Immerhin entschied ich mich dann am letzten Samstag früh morgens trotz, oder genau genommen wegen des feuchten Wetters, einen Spaziergang hier in der Nähe zu machen. Meine eigentliche Hoffnung bestand darin vielleicht endlich mal wieder einen lebenden Feuersalamander zu sehen, denn die Chancen stehen nach nächtlichen Regen zumindest relativ hoch in diesem Gebiet. Bisher habe ich dort außer zahlreichen Larven nur ein einziges Mal einen lebenden erwachsenen Feuersalamander gesehen, ein schon recht abgemagertes Weibchen dass ich aus einem Wasserablauf gerettet habe, in dem es anscheinend schon geraume Zeit festsaß und nicht mehr herauskam. Es handelte sich dabei um den gleichen Ablauf, in dem ich beim letzten Mal auch die Frösche gefunden habe (siehe vorletzter Blogpost). Dass es dort Feuersalamnder gibt, ist allerdings in der Regel leider primär daran ersichtlich, dass man vor allem im Sommer immer wieder überfahrene sieht, vor allem wenn es vorher geregnet hat. Auch am letzten Samstag fand ich leider wieder ein ganz frisch überfahrenen Salamander, der vermutlich von einem Fahrrad überrollt worden war. Aber erfreulicherweise auch endlich mal wieder einen lebenden, zufäligerweise keine zehn Meter von der Quelle entfernt, in deren Ablauf ich auch damals das gefangene Feuersalamanderweibchen fand.  Es war noch ein relativ kleines Exemplar, nicht viel mehr als 10 cm groß, und damit wahrscheinlich noch keine drei Jahre alt. Das war erst der dritte lebende Feuersalamander den ich bisher in der Natur gesehen habe, wenn man mal von zahlreichen Larven absieht.

Er war auch relativ mager, was man vor allem am Schwanz erkennen konnte, denn dieser war ziemlich dünn und spitz. Bei gut genährten Feuersalamandern ist er sichtlich dicker und auch etwas stumpfer am Ende. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass es in den Wochen davor nicht nur diverse Kälteeinbrüche gegeben hat, sondern es auch kaum geregnet hat, also nicht gerade optimale Vorraussetzungen zur Nahrungssuche. Der kleine Salamander war auch insgesamt relativ schreckhaft, und reagierte sichtlich auf mich, indem er langsam zurückwich, und den Schwanz leicht einrollte. Ich habe ihn dann mit Hilfe eines Blattes vorsichtig aufgehoben und von der Straße weggetragen, da der Weg doch relativ stark von Spaziergängern, Fahrradfahrern und manchmal auch Autos frequentiert wird.

Man sieht gut dass es sich um einen gestreiften Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris), und nicht um die gefleckte Unterart Salamandra salamandra salamandra handelt, auch wenn die Streifen im hinteren Bereich eher in Flecken übergehen. Bei echten gefleckten Feuersalamandern sind die Flecken und Punkte aber viel unregelmäßiger und meistens auch assymetrischer verteilt.

In diesem Gebiet kommen beide Unterarten nebeneinander vor, wobei ich zumindest anhand der bisher gesehenen überfahrenen Exemplare das Gefühl habe, dass S.s. terrestris häufiger ist. Es ist auch praktisch sicher, dass es vielfach zu Hybridisierungen zwischen den beiden Unterarten kommt. Hier noch mal ein Größenvergleich:

Ich muss an dieser Stelle mal wieder an die Vorzüge der digitalen Photographie verweisen. Digitalkameras sind wirklich eine wunderbare Sache, und wenn man eine hat, sollte man sie auch wirklich nutzen. So lange man sie nicht ausdruckt, kosten digitale Photos praktisch nichts mehr, und daher kann man auch eine entsprechend große Anzahl von Bildern machen. Das sollte man auch, gerade wenn man etwas seltenes oder ungewöhnliches sieht, besonders dann, wenn man es eventuell nicht selbst identifizieren kann. In einem solchen Fall sollte man Photos von möglichst vielen Ansichten machen, und falls möglich, auch einen Größenvergleich, denn erfahrungsgemäß sind bloße Schätzungen oft ungenau. Dagegen kann man mit einem geeigneten Größenvergleich auf dem Photo später ziemlich genau die tatsächlichen Dimensionen ermitteln. Man sollte auch keinesfalls den Fehler begehen, mit der Kamera zu nahe an etwas heranzugehen wenn man nur ein einzelnes Bild macht. Solche Photos werden oft nichts. Daher sollte man erst mal ein paar Photos mit einem etwas größerem Abstand machen, danach kann man immer noch Nahaufnahmen machen, besonders dann, wenn es sich etwa um Tiere handelt die im Zweifel schnell fliehen können. Man hat schließlich nichts davon, wenn man im Endeffekt nichts als verschwommene und unscharfe Nahaufnahmen hat. Es lohnt sich oft auch etwas zu experimentieren, etwa durch Ab-oder Anschalten des Blitz an der Kamera, oder verschiedene Blickwinkel. Ich bin meilenweit davon entfernt auch nur annährend professionell zu photographieren, aber gerade wenn man relativ häufig sehr kleine Dinge photographiert, oder Sachen die sich hinter Glas oder in eher dunklen Räumen befinden, lernt man doch den einen oder anderen Trick. Es kann sich auch manchmal lohnen, für einzelne Photos die Auflösung besonders hoch zu stellen, man ist manchmal wirklich überrascht, was für kleine Details man dann manchmal später auf dem Bildschirm des PCs erkennen kann. Aus irgendeinem für mich nicht nachvollziehbaren Grund sind in der Presse Tierphotos in extremen Perspektiven oft ziemlich beliebt, also etwa schräg am Kopf ansetzende Bilder, die den größten Teil des Körpers nur stark verzerrt oder auch gar nicht erkennen lassen, von einer sinnvollen Einschätzung der Größe und den Proportionen mal ganz zu schweigen. Das mag ja vielleicht mal ganz lustig sein, und ich mache manchmal auch solche Photos, vor allem wenn etwas zu groß ist um anders komplett aufs Bild zu gehen, aber für eine objektive Darstellung sollte man sowas nach Möglichkeit vermeiden.