Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for Oktober, 2009

Einige hybride Hühnervögel

Montag, Oktober 12th, 2009

Hier kommen wieder ein paar Photos aus dem Jagd-und Forstmuseum in Hørsholm . Es handelt sich dabei um einige interessante Hybriden verschiedener Hühnervögel. Es ist sehr interessant, dass eine ganze Reihe von sowohl phänotypisch als auch geographisch eigentlich teils sehr unterschiedlichen Arten Hybriden bilden können. Diese können völlig unterschiedliche Ursprünge habe, beispielsweise können sie in Gefangenschaft mehr oder weniger absichtlich entstanden sein, sie können aber auch teilweise durchaus natürlich Ursprungs sein. Leider weiß ich bei den folgenden Präparaten die Ursprungsgeschichten nicht kann also beispielsweise bei diesem Hybriden eines Auerhahnes mit einer Fasanenhenne nicht sagen, ob es sich hier um ein Kreuzungprodukt aus Volierenhaltung handelt, oder um einen Bastard der in einem Gebiet entstand, in dem sowohl Auerhähne als auch die ursprünglich nicht in Europa heimischen Fasane vorkommen.

Auerhahn-Fasan Hybrid

Ein weiterer Auerhahnhybride (über den ich wegen eines Exemplares aus dem Zoologischen Institut in Tübingen schon mal kurz gebloggt habe), der aber durchaus auch in freier Natur vorkommt, ist der sogenannte Rackelhahn, eine Kreuzung aus Auerhahn und Birkhuhn:

Rackelhahn

Fasane können aber nicht nur mit Auerhähnen Nachkommen zeugen, sondern auch mit Haushühnern, wie die beiden folgenden Hybriden zeigen:

 Fasan-Huhn-Hybride

Hybrid-Fasan

Bizarre Hirsche Teil 6: Geweihfehlbildungen bei Rehen

Samstag, Oktober 10th, 2009

Dies ist jetzt vorerst mal der letzte Teil der “Bizarre Hirsche”-Reihe. Ich hätte noch jede Menge weiteres Material über lebenden und ausgestorbenen Hirsche, aber das kommt dann mal in einer zweiten Reihe. Heute soll es mal wieder um Miss-und Fehlbildungen gehen, genauer um die Fehl-und Missmildunge bei Rehgeweihen. Dass ich ausgerechnet Rehe hier anführe hat einen einfachen Grund. Denn da diese die häufigsten Hirsche in Mitteleuropa sind, und auch noch dort vorkommen wo es schon lange keine Rothirsche mehr gibt und auch keine ohnehin nicht heimischen Damhirsche oder andere Arten eingeführt sind, finden sich auch entsprechend viele ungewöhnliche Geweihe. Natürlich kommen auch bei den anderen Hirsche gelegentlich sehr seltsame Geweihe vor, aber davon habe ich leider bei weitem nicht so viel Bildmaterial wie für Rehe. Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt, mal wieder, aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm. Die Anzahl von dort ausgestellten Abnormitäten ist wirklich enorm, und ich muss mich hier leider auf einige besonders interessante Fälle beschränken, anderfalls würde ich hier stundenlang – nun ja, nicht grade wirklich stundenlang, aber schon wirklich ziemlich lange – nur damit beschäftigt sein, Bilder hochzuladen und in diesen Blogpost einzufügen. Außerdem möchte ich ja auch mal wieder über was anderes bloggen, allen die die letzten Beiträge im Allgemeinen und Hirsche im Besonderen langweilig finden, sei gesagt dass nicht mehr allzu viel zu diesem Thema kommt, zumindest für eine Weile. Oder auch nicht, ist ja schließlich mein Blog, und ich kann schreiben worüber ich will.

Hier sieht man einmal einen großen Teil der Geweihe:

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm

Wenn man sich all jene Abnormitäten ansieht, fragt man sich natürlich, wie es überhaupt zu so etwas kommen kann. Tatsächlich sind die Ursachen dafür äußerst vielfältig. Zum Einen kann eine Verletzung der Geweihknospen, zumal in der Jugend, zu verschiedensten Fehlformen des Geweihs führen, die dann auch zweitlebens beibehalten werden. Andererseits kann auch lediglich das im Wachstum begriffene, und noch weiche Geweih durch Verletzungen (und wahrscheinlich auch Krankheiten) deformiert oder verletzt werden, wobei in einem solchen Fall aber die Fehlbildung auch einmalig sein kann, also bei später geschobenen Geweihen nicht mehr auftritt.

Es gibt natürlich auch genetisch bedingte Abnormitäten, tatsächlich ist es sogar so, dass die allermeisten Hirsche (ich weiß nicht wie es bei Rehen ist, da ihr Geweih weit weniger komplex ist) gewisse Abnormitäten zeigen, freilich in verschiedenem Grade. Wenn man sich einmal die Geweihe großer Mengen von Hirschen, oder eben wie hier auch Rehen ansieht, merkt man schnell dass ein enormes Potential bezüglich der individuellen Variabilität besteht. Es gibt sehr kurze und sehr lange, sehr dicke und sehr dünne, mehr oder weniger stark gebogene Geweihe. Natürlich ist das immer auch teilweise vom Alter abhängig, sowie dem Ernährungszustand, aber nichtsdestotrotz sind die individuellen Grundformen im Allgemeinen genetisch festgelegt.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (2)

 

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (9)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (13)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (18)

 Ein besonderes Kuriosum sind Rehkühe welche leichte Geweihe entwickeln. Unter den Hirschen bilden normalerweise lediglich bei den Rentieren auch die Weibchen ein Geweih aus, bei anderen Arten ist so etwas abnorm. Auch erreichen die Geweihe weiblicher Hirsche nicht die Größe jener der Männchen, wie man auch bei der unten gezeigten Rehkuh mit Geweih sieht.. Die Ursachen liegen dabei vermutlich bei Hormonstörungen.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (15)

Gelegentlich können Verletzungen auch zum völligen Verlust eines einzelnen Geweihsprosses führen, so dass nur noch ein einzelner Ast ausgebildet wird. Man achte auch auf die ungewöhnlich langen und schlanken Geweihe welche man hier neben dem “Einhorn” sieht. Besonders das Geweih ganz rechts sieht beinahe schon etwas aus wie die Hörner einer Antilope, da keinerlei Gabelung vorhanden ist.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (21)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (6)

Eine der spektakulärsten Fehlbildungen von Hirschgeweihen, sind die sogenannten Perücken. Sie zeigen auf besonders eindrucksvolle Weise wie stark die Geweihbildung von Hormonen bestimmt wird, insbesondere von Testosteron. Wird beispielsweise ein junger Rehbock, bzw irgend ein anderer männlicher Hirsch, im frühen Alter kastriert, bildet er gar kein Geweih aus. Die einzige Ausnahme mache hier die Rentiere, da bei ihnen die Geweihbildung nicht geschlechtsabhängig ist, und ja auch die Weibchen ein Geweih bekommen. Werden bei einem bereits geschlechtsreifen Hirsch die Hoden während der Geweihbildung geschädigt oder entfernt (sowas passiert manchmal bei schlechten Schüssen, wie es auch eine ganz Reihe anderer äußerst unappetitlicher Verletzungen gibt, welche durch schlechte Treffer bei der Jagd passieren können, und den Tieren oftmals grauenhafte aber vielfach nicht gleich tödliche Verletzungn zufügen), kommt es zu einem Perückengeweih, der Bast wuchert einfach immer weiter. Kommt es aber zu einem Verlust der Testosteron-bildenen Zellen wenn der Bast bereits abgestreift ist, so wird das Geweih sofort abgeworfen, und ein neues Geweih fängt an zu wachsen, welches aber nicht mehr besonders groß wird, ständig mit Bast bedeckt ist, und auch nicht mehr abgestoßen wird.  

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (10)

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (8)

Hier sieht man mal einen ganz besonders krassen Fall eines Perückengeweihs, welches sogar die Augen praktisch vollständig überwucherte.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (22)

Ich bin mit nicht ganz sicher was das ist, aber ich glaube hierbei handelt es sich um ein Perückengeweih, bei welchem der Bast entfernt wurde.

Abnorme Rehgeweihe Hörsholm (3)

Es gibt noch andere Störungen und Merkwürdigkeiten, welche zu gestörtem Wachstum des Geweihs führen können. So kann man durch Einspritzen von weiblichen Geschlechtshormonen bei einem in der Geweihbildung befindlichen Hirsch bereits vorhandenes knorpeliges Kolbengeweih vorzeitig zum Verkalken bringen.

Bizarre Hirsche Teil 5: Procranioceras skinneri

Freitag, Oktober 2nd, 2009

So, habe endlich mal wieder Zeit gefunden etwas zu schreiben. Dieses Mal geht es um einen der wirklich merkwürdigsten Hirsche die überhaupt jemals existiert haben, Procanioceras skinneri. Zugegeben, gewisse Abstriche bezüglich des Verwandtschaftsgrades müssen hier schon gemacht werden, denn die Dromomeryciden sind bezüglich ihrer systematischen Stellung noch nicht allzu sicher eingeordnet, scheinen aber den Hirschen recht nahe gestanden zu haben, also durchaus Grung genug sie hier mal zu erwähnen. Der hier gezeigte Schädel von Procranioceras skinneri (früher Cranioceras skinneri), welcher im Naturhistorischen Museum in Berlin zu sehen ist, stammt aus dem Pliozän von Nebraska:
Prcranioceras skinneri

Was sofort auffällt, ist dass Procanioceras kein Geweih, sondern knöcherne Schädelprojektionen hatte, vergleichbar den langen Auswüchen welche bei Muntjak und vergleichbarn Kleinhirschen das eigentliche Geweih tragen, mit dem Unterschied, dass es bei Dromomeryciden kein echtes Geweih gab. Möglicherweise waren die beiden Hörner über den Augen sogar von einer echten Hornschicht überzogen. Ganz besonders bizarr ist aber zweifellos das einzelne schräg nach hinten stehende Hinterhaupthorn. Die Hörner waren übrigens bei den Weibchen ebenfalls vorhanden, allerdings nicht so groß wie bei den Männchen.

Hier noch mal eine Detailansicht des Schädels:

Prcranioceras skinneri (3)

Die auf Nordamerika beschränkten Domomeryciden traten in einer ganzen Reihe von Größenformen auf, welche in etwa den heutigen mittelgroßen bis großen Hirschen entsprechen. Der größte und jüngste von ihnen, Yumaceras, erreichte ein Gewicht von mehr als 380 kg und war damit in etwa so groß wie ein Elch.