Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for März, 2009

Buchrezension: Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna

Montag, März 2nd, 2009

 

Ich denke die meisten Leser die sich für die Inhalte des Bestiariums interessieren, habe zu Hause mindestens ein (wenn nicht gar mehrere Dutzend)Buch über Paläontologie. In aller Regel sind die meisten dieser Bücher relativ allgemein gehalten, und man bekommt einen groben Überblick über alles mögliche, angefangen bei irgendwelchen kambrischen Wirbellosen wie Anomalocaris über Dinosaurier bis zu Neandertalern. Dabei werden zu einem recht großen Teil mehr oder weniger die gleichen Arten beschrieben, der Anteil der weniger bekannten “Exoten” ist dabei normalerweise nur sehr gering, und die dazu vorhandenen Hintergrundinformationen oftmals dürftig. Wirklich spezielle Paläontologiebücher, die sich nur mit einem relativ eingegrenzten Gebiet befassen, gibt es leider nur relativ wenige. Eines dieser Bücher ist “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large-Mammal Fauna” von Alan Turner und Mauricio Anton, welcher dieses wunderbare Werk auch illustriert hat. Der Titel sagt dabei schon ziemlich gut, um was für einen Inhalt es geht, nämlich die fossilen Säugetieren Afrikas. Das ist gerade ein Themengebiet, das in der Literatur in aller Regel sträflilch vernachlässigt wird, obwohl es auf diesem Kontinent enorm viele hochinteressante Tiere gegeben hat. Dabei erfährt man nicht nur über die ältesten gefundenen Fossilien, sondern auch über solche Wesen, die es teilweise noch bis zur letzten Eiszeit gegeben hat. Man bekommt dabei einen ziemlich guten Überblick diverser Raubtiere, Primaten, Paar-und Unpaarhufer, Rüsseltiere, Insektenfresser und noch einige andere, darunter viele die man kaum jemals in einem anderen Buch auch nur erwähnt findet. Die von Mauricio Anton stammenden Bleistiftillustrationen sind überaus reichlich vorhanden, und werden durch einige colorierte Bilder ergänzt. Man findet dabei auch eine ganze Reihe von Rekonstruktionszeichnungen, welche zeigen wie ausgehend vom Skelett über die Muskulatur das Lebendbild gezeichnet wurde. Besonders interessant finde ich die vielen Raubtiere die behandelt werden, nicht nur verschiedene Säbelzahnkatzen, sondern auch sonst nur selten gezeigte Arten wie verschiedene Riesenhyänen oder sogar Riesenschleichkatzen. Auch unter den Rüsseltieren findet man jede Menge teils sehr bizarrer Arten, etwa Tetrabelodon mit den vier Stoßzähnen. Die vielen Arten hier aufzuzählen ist sicherlich müßig, da es schlichtweg zu viele sind. Besonders interessant ist es dabei, wenn ausgestorbene Arten mit noch heute lebenden zusammen dargestellt werden. Dabei fällt auch auf, dass viele Tiere die uns heutzutage überaus seltsam vorkommen, eigentlich gar nicht so ungewöhnlich sind, beziehungsweise dass auch die heutigen Arten auf ihre Weise genauso faszinierend sind. Mit 269 Seiten hat dieses Buch auch einen durchaus umfangreichen Inhalt. Wer stereotype Mammuts, Höhlenbären und nordamerikanische Säbelzahnkatzen nicht mehr sehen kann, und stattdessen lieber mal etwas Neues sehen will, der ist mit diesem Buch wirklich gut beraten.

Orthoceras-Modell

Montag, März 2nd, 2009
 Seit kurzem habe ich endlich mal wieder sowas wie Ferien, darum werde ich jetzt versuchen wieder öfter mal was zu schreiben. Beim letzen Mal hat das leider nicht funktioniert, was primär daran lag dass bei mir das Internet fast den kompletten Januar und Februar nicht funktioniert hat. Ich habe die bisherige Freizeit der ersten Ferientage auch gleich mal genutzt um mal wieder ein neues Modell zu machen. Zugegeben, nicht unbedingt etwas spektakuläres, “nur” wieder ein neuer Nautiloide. Als Vorlage habe ich Orthoceras benutzt, einen Nautiloiden den man aus Schichten des Ordovozium bis zur Trias kennt (höchstwahrscheinlich hat es sich bei diesem langen Zeitraum aber nicht immer um die gleiche Art gehandelt). Diese Tiere konnten teilweise Längen von etwa 2m erreichen, womit sie aber immer noch weit unter der Größe von Arten wie Cameroceras blieben, die ein Vielfaches davon erreichten. Dieses neue Modell ist ziemlich klein, was man auch ganz gut am Vergleich mit dem provisorischen Sockel aus einem halben Korken sehen kann:

Orthoceras Modell

Aufgrund der geringen Größe gestaltete sich die Modellation auch nicht gerade als einfach, vor allem an den Fangarmen, da diese extrem wenig Eigenstabilität besitzen, und ich auch keinen Draht als Stütze benutzt habe. Wie bei den anderen Nautiloiden die ich bisher modelliert habe, habe ich zuerst das Gehäuse modelliert und gehärtet, wobei ich an das Kopfende eine verdrehte Drahtschlinge anmodelliert habe. Das vorgehärtete Gehäuse kann man so gut in die Hand nehmen, was die weiteren Arbeitsschritte extrem erleichtert. Die Drahtschlinge dient dabei um einen besseren Halt des anmodellierten Kopfteiles zu gewährleisten. Eidentlich wollte ich den Nautiloiden erst mit geschlossenen Fangarmen darstellen, wofür die Größe auch gut gereicht hätte, aber als ich zum Spaß mal ein Probemodell mit geöffneten Fangarmen gemacht habe, hat mir dieses letztendlich so gut gefallen, dass ich beschlossen habe es für die endgültige Version weiter zu verwenden.

Insgesamt habe ich grob geschätzt etwa sieben Stunden für das Modell gebraucht, vielleicht auch etwas mehr oder weniger. Besonders die kleinen Details wie die Ansätze der Fangarme und vor allem die dünne Haut die sich zwischen ihnen spannt, sind eben ziemlich arbeitsaufwändig. Ich habe mich dieses Mal auf dafür entschieden, die Augen relativ klein zu modellieren, da das Modell so eher aussieht, als wäre es im Original deutlich größer. Zugegeben, auch unter den heutigen Kopffüßern findet man keineswegs eine Tendenz dass die großen Arten verhältnismäßig kleine Augen haben, man denke hier nur an die Riesen-und Kolosskalmare die beide riesige Augen habe. Aber schließlich weiß man ja ohnehin nicht wie diese Nautiloiden zu Lebzeiten wirklich ausgesehen haben, insofern könnten sie vielleicht auch nur relativ kleine Augen gehabt haben, vergleichbar dem heutigen Nautilus. Ich habe dieses Mal auch bewußt darauf vezichtet einen Schnabel zu modellieren, da das tatsächliche Aussehen und vor allem die Lage der Fresswerkzeuge bei Nautiloiden ziemlich kontrovers ist.

Orthoceras Kopf-Detail

Hier ist auch mal ein Vergleich des Modells mit einem originalen Orthoceras-Fossil aus Marokko, das zufällig beinahe die gleiche Größe hat:

Orthoceras Original und Modell

Orthoceras Original und Modell