Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for März, 2009

Bild des Tages: Kalifornien-Kondor

Freitag, März 20th, 2009



calcondor

Originally uploaded by WLA



Leider hat es auch heute nur wieder für ein “Bild des Tages” gereicht, diesmal ein Kalifornien-Kondor (Gymnogyps californianus). Diese Tiere gehörten noch vor gar nicht allzu langer Zeit noch zu den seltensten Vogelarten der Erde, und war in Freiheit bereits völlig ausgestorben, Ende der 80iger Jahre gab es gerade einmal noch 27 Exemplare. Alle noch verbliebenen Individuen die nicht sowieso schon in Gefangenschaft waren, wurden eingefangen und Zuchtprogramme gestartet, so dass es heute wieder einen gewissen Hoffnungsschimmer gibt, dass diese Art vielleicht doch noch auf Dauer überleben könnte. In Anbetracht des sehr massiv begrenzten Genpools der Gründerpopulation bestehen hier aber immer noch schwer kalkulierbare Risiken.
Der Kalifornien-Kondor gehört nebem seinem nächsten Verwandten, dem Andenkondor, zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Sie erreichen teilweise Spannweiten bis 3m und Gewichte von mehr als 10kg. Damit erreichen sie ähnliche Größen wie der erst vor wenigen Jahrhunderten ausgestorbene (bzw ausgerottete) neuseeländische Riesenadler Harpagornis moorei. Im Gegensatz zu diesem sind Kondore aber insgesamt weitaus “schwächlicher” gebaut, da sie sich zum größten Teil von Aas ernähren. Das erkennt man nicht nur an dem unbefiederten Hals und dem langgestreckten Schädel, der darauf ausgelegt ist, Kadaver großer Tiere auszuweiden (Tatsächlich wies der Schädel von Harpagornis eine sehr ähnlich Form auf, da er ebenfalls häufig große Kadaver ausweidete, allerdings von selbst erbeuteten Tieren wie Moas). Besonders augenfällig ist das an den Füßen, denn diese sind im Gegensatz zu jenen von Greifvögeln relativ schlank und schwach, ohne die breiten Ansatzstellen für Sehnen und Muskeln, und auch ohne die gewaltigen gekrümmten Klauen mit denen große Greifvögel teilweise sogar die Knochen ihrer Beute durchschlagen können. Es fällt auch auf, dass die Krallen teilweise ziemlich stumpf sind:




calconclaw

Originally uploaded by WLA


Einstmals gab es auf dem amerikanischen Kontinent noch Vögel, die selbst einen so gewaltigen Vogel wie den Kondor wie einen Zwerg erscheinen ließen, die Teratorne. Diese Riesenvögel, deren größter Vertreter Argentavis magnificiens eine Flügelspannweite von über 7m erreichte, werden in aller Regel mit Geiern, bzw Neuweltgeiern wie dem Kondor verglichen, und üblicherweise als riesige Aasfresser portraitriert. Tatsächlich unterschieden sie sich aber in einer Anzahl wichtiger Merkmale von typischen Geiern, etwa dem Schnabel der viel eher jenem von Raubvögeln glich, und es ist anzunehmen dass zumindest hinter einigen dieser gewaltigen Vögeln mehr steckte als bloße Riesenversionen von Kondoren, aber dazu ein ander mal mehr.

Noch mal vielen Dank auch an Wayne für die freundliche Genehmigung seine Photos zu benutzen.

Wozu Fantasy-Monsterwürmer wenn es terrestrische Nemertinea gibt?

Mittwoch, März 11th, 2009

Es gibt Wesen die erscheinen einfach zu bizarr als dass sie echt sein könnten. Als ich das folgende Video zum allerersten Mal gesehen habe, war das einer dieser absoluten WTF!?-Momente. Ich hatte absolut gar keine Ahnung was das sein könnte:




Strangest Invertebrate Ever

Originally uploaded by pokerchampdaniel


Dieses von Daniel O`Brien aufgenommene Video, sowie die folgenden Photos wurden in Australien aufgenommen. Glücklicherweise haben einige der Kommentatoren auf seiner Flickr-Photoseite ( http://www.flickr.com/photos/pokerchampdaniel/ ) dieses groteske Wesen näher identifizieren können. Aber was ist das nun eigentlich, es sieht irgendwie aus wie eine Made, hat aber einen geradezu aberwitzig langen Rüssel den man sonst vielleicht eher von einer marinen Kegelschnecke erwarten könnte. Tatsächlich handelt es sich um einen terrestrischen Verterter der Nemertinea, welche auch unter der Bezeichnung Schnurwürmer bekannt sind. Schnurwürmer haben vor allem dadurch Berühmtheit erlangt, dass einige ihrer marinen Formen unglaubliche Längen von mehreren Dutzend Metern erreichen können, und das nur bei einer Körperdicke von einer Makaroni-Nudel (Mehr dazu bei Cameron McCormick: http://cameronmccormick.blogspot.com/2007/06/revenge-of-honkin-big-animals.html ). Man findet die meisten Schnurwürmer im Meer, es gibt aber auch ein paar die in Brack-oder Süßwasser leben, und eben einige die auch eine terrestrische Lebensweise angenommen haben.

Die meisten Schnurwürmer sind carnivor und jagen ihre Beute, primär andere Wirbellose, mit ihrem langen ausfahrbaren Rüssel. Dieser ist entweder mit giftigen Stacheln oder mit klebrigen Sekretdrüsen besetzt, und ernöglicht diesen Räubern teilweise Beutetiere zu überwältigen, die ihre eigene Körpergröße um ein Mehrfaches übertreffen. Dabei ist der Rüssel in der Ruheposition oberhalb des Darmes in einer Art Aussackung der Leibeshöhle gelegen.
schnurwurm-mit-eingefahrenem-russel
Wie die genauen Mechanismen der Motorik dieses bizarren Organes funktionieren kann ich leider auch nicht weiter erörtern, auch wenn ich vermute dass Hydraulik dabei eine wichtige Rolle spielt. Auch ist es mir ein Rätsel, wie ein solch voluminös erscheinender Rüssel in so einem kleinen Lebewesen Platz finden kann:
schnurwurm
Die entsprechenden Wände des Rüssels müssen extrem dünn sein, gleichzeitig aber noch gut statische Eigenschaften aufweisen, die ein Fangen der Beute ermöglicht, und außerdem auch noch so dehnbar, dass selbst große Beutetiere verschlungen werden können.
Vielleicht kann sich der ein oder andere der Peter Jacksons Neuverfilmung von King Kong gesehen hat, noch an die Szene erinnern in der einige monströse Riesenwürmer versuchen die Protagonisten aufzufressen (und es bei dem von Andy Serkis gespielten Charakter auch auf sehr unappetitliche Weise schaffen). Diese Geschöpfe erscheinen ja wirklich reichlich fantastisch, aber tatsächlich basieren sie auf real existierenden terrestrischen Schnurwürmern, und mal abgesehen von der Größe und ein paar Details wie den großen Zähnen und Borsten unterscheiden sie sich eigentlich gar nicht mal groß. In “The World of Kong” (Rezension von mir gibt es hier: http://bestiarium.kryptozoologie.net/artikel/buchrezession-the-world-of-kong-a-natural-history-of-skull-island/ ) wird auch etwas näher auf diese fiktiven Monster-Nemertinea eingegangen. Sie tragen den Populärnamen “Vile Meat Weasel” (Carnictis sordicus) und bewohnen die tiefen Urwaldschluchten von Skull Island. In der dortigen fiktiven Evolutionsgeschichte stammen sie von kleinen Parasiten ab, welche in großen Raubsauriern lebten. Irgendwann stürtze ein großer V-rex in eine der Schluchten, und anstatt einzugehen, konnten sich die Würmer in der warmen, feuchten und durch hereinstürzende Dinosaurier auch nahrungsreichen behaupten, und von reinen Aasfressern zu potentiellen Raubtieren entwickeln. Auch wenn das jetzt natürlich alles recht fantastisch ist, so schlecht ist diese Idee gar nicht mal.

Buchrezension: Cephalopods – Octopuses and Cuttlefishes for the Home Aquarium

Montag, März 9th, 2009

Es gibt ja leider nicht gerade viele gute Bücher über Kalmare, Oktopusse und andere Cephalopoden, daher habe ich mir vor kurzem “Chephalopods – Octopusses and Cuttlefishes for the Home Aquarium” gekauft. Das Buch ist von Nancy King und Colin Dunlop, die auch beide Administratoren bei http://tonmo.com/ sind. Das Buch ist wirklich klasse, selbst wenn man wie ich kaum jemals vor hat, sich jemals einen kleinen Kraken oder ähnliches im Aquarium zu halten. Man findet dort unheimlich viele Informationen über diese Tiere, vor allem natürlich über ihre spezifischen Bedürfnisse in der Aquarienhaltung. Dabei wird detailiert auf die verschiedenen aquaristisch relevanten Aspekte bei der Pflege der verschiedenen Cephalopoden eingegangen, beispielsweise auf die Fütterung. Was mir besonders gut gefällt, sind dabei die vielen interessanten Bilder. Verständlicherweise wird man hier in Anbetracht der Thematik nicht irgendwelche Tiefsee-oder Hochseekalmare finden, sondern eben primär Arten die man im Aquarium halten kann. Dabei wird auch, und das finde ich sehr gut, beispielsweise betont dass man sich keine Mimikrioktopusse anschaffen sollte, nicht nur weil diese ihr arttypisches Verhalten in Gefangenschaft nicht zeigen, sondern auch weil sie recht schlechte Überlebensraten haben.

Man findet natürlich vor allem Angaben und Bilder welche verschiedene Oktopus-Arten, beispielsweise den winzigen, aber sehr giftigen Blauring-Oktopus, genauso wie den auch in manchen Kühltheken zu findenden Octopus vulgaris. Aber man kann auch über die Aquarium von Sepien (cuttlefishes) lesen, außerdem über Argonauten oder Papierboote und sogar dem Perboot oder Nautilus. Man lernt in dem Buch wirklich eine Menge über diese Tiere, was man sonst in Büchern kaum finden wird, beispielsweise dass man Oktopusse in Aquarien sehr gut mit Kinder-und Babyspielzeug beschäftigen kann. Überhaupt ist dieses Buch voll von wunderbaren Photographien, die auch viele selten und kaum bekannte Arten ( ich glaube viele Leute wissen gar nicht dass es mehr als eine Oktopus-Art gibt), sowie viele sehr interessante Detailphotos wie die Maulregion eines Nautilus. Es gibt sogar ein ausführliches Kapitel über das Photographieren von Kopffüßern in Aquarien, sicher sehr informativ selbst wenn man selbst keine hat.

Sogar auf die Zucht verschiedener Arten im Aquarium wird eingegangen, zweifellos eine der interessantesten und höchsten Erfahrungen die man bei der Haltung dieser Tiere erleben kann, zeigt doch die erfolgreiche Vermehrung, dass man seinem Cephalopoden optimale Lebensbedingungen bietet.

Für jeden der sich für Cephalopoden interessiert, ist dieses Buch sicher ein guter Kauf, und vielleicht findet ja der eine oder andere darüber sogar noch dazu selbst einmal eines dieser faszinierenden Tiere im Aquarium zu halten.

Bild des Tages: Schildkrötenfrosch

Montag, März 9th, 2009

Frösche gehören zu den Lebewesen, über die oft gerne etwas hinweggesehen wird, dabei gibt es unter ihnen eine ganze Reihe hochinteressanter Arten, die teilweise über wirklich bizarre Lebensweisen und Fähigkeiten verfügen. Beispielsweise der australische Schildkrötenfrosch (Myobatrachus gouldi).

turtle-frog-myobatrachus-gouldi

Das Photo stammt übrigens von hier: http://www.flickr.com/photos/liquidghoul/sets/72057594126869353/ (Thanks Evan!)

Diese Frösche verbringen einen großen Teil ihres Leben unterirdisch, vorwiegend in Sandboden. Sie quaken dort sogar während der Paarungszeit, und auch die Paarung erfolgt unterirdisch, wo sie dann auch ihre Eier in feuchtem Sand ablegen, aus denen bereits fertig metamorphierte winzige Frösche schlüpfen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fröschen hat der Schildkrötenfrosch nur ein recht kleines Maul. Mit ihm fängt er vorwiegend Ameisen, die er nachts erbeutet. In der Trockenzeit graben sie sich sehr tief in den Boden ein, bis etwa 80cm, und halten eine Art “Winterschlaf”. Eine weitere Besonderheit bei diesen Tieren ist die Art wie sie graben, denn wie Maulwürfe graben sie mit dem Kopf voran, während viele andere Frösche beim Graben ihre muskulösen Hinterbeine verwenden und sich dabei rückwärts vorarbeiten.

Bild des Tages: Chinesische Wollhandkrabbe

Samstag, März 7th, 2009

Als ich letztes einige Zeit in der Gegend von Hamburg verbracht habe, hatte ich dort nicht nur Gelegenheit einige großartige Museen und den Hagenbeck-Zoo zu besuchen, sondern auch einige interessante Naturbeobachtungen zu machen. Während einiger Spaziergänge an einem kleinen See in der Nähe von Hamburg konnte ich dabei außer einigen interessanten Vögeln, diverser Feldhasen und einer großen Wanderratte auch eine Chinesische Wollhandkrabbe entdecken. Ich lief gerade in einem bewaldeten Abschnitt der Strecke über eine Brücke unter der ein kleiner Wasserlauf in den See mündete, da entdeckte ich einige Meter unter mir einen seltsamen Schemen. Als ich dann hinunterkletterte, erkannte ich dass es tatsächlich eine Wollhandkrabbe war. Sie schien sich nicht selbst zu bewegen, abgesehen von einem leichten Hin-und Herschaukeln durch die Strömung. Daher nahm ich vorsichtig einen Ast, um sie zu berühren, und es stellte sich heraus dass sie tot war. Ich muss sagen dass ich mir nicht absolut 100%ig sicher bin, ob es nicht vielleicht ein abgestreifter Panzer einer gehäuteten Krabbe war, aber so weit ich mich erinnere, war der Panzer selbst nirgends aufgebrochen.

wollhandkrabbe

Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es mir dann auch noch, mit Hilfe eines Stockes die Krabbe aus dem Wasser zu ziehen, und auf dem Trockenen besser untersuchen zu können.

wollhandkrabbe-2

Dieses Exemplar war noch relativ klein, die Panzerlänge betrug vielleicht 5-6cm, aber diese Art kann noch deutlich größer werden. Nur wenig später hatte ich dann auch die Gelegenheit ein wirklich großes Exemplar im direkt an der Förde gelegenen Kieler Aquarium zu sehen. Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) ist wie man schon dem Namen erschließen kann keine heimische Art, sondern ein Neozoon, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ballastwasser von Schiffen aus Asien eingeschleppt worden. Der Name leitet sich von dem haar-artigen Bewuchs ab, den die männlichen Tiere an den Scheren tragen, wie man auch vielleicht noch ein bisschen auf diesem Bild erkennen kann:

wollhandkrabbe-3

Wollhandkrabben mögen ja nicht sehr schmackhaft erscheinen, aber in ihrer Heimat stellen sie begehrte Leckerbissen dar, und selbst in Deutschland werden diese Tiere, vor allem als Beifang in Aalreusen, inzwischen teilweise für den Konsum weiterverwendet. Das schmutzige braun-gelb wird dabei während der Zubereitung in heißen Wasser oder Dampf zu einem sehr delikat aussehenden Rot (sehr zu empfehlen ist hier die entsprechende Wikipedia-Seite auf der es auch ein entsprechendes Photo gibt).

Bild des Tages: Königskrabbe

Freitag, März 6th, 2009

Ich hatte es ja schon einmal von Riesenarthropoden, allerdings primär von terrestrischen (die Rede war damals vom Palmendieb), aber das sollte nicht vergessen lassen, dass es im Meer sogar noch deutlich beeindruckendere Gliederfüßer gibt. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die Königskrabbe  (Paralithodes camtschaticus), eine der größten Krabben überhaupt. Das hier gezeigte präparierte Exemplar aus dem Zoologischen Museum in Kiel hatte eine Beinspannweite von ungefähr einem Meter, und in der Stuttgarter Wilhelma kann man in dem Aquarium in dem jahrelang ein großer Hummer lebte, sogar eine lebende Königskrabbe bewundern.

Allerdings können diese Tiere sogar noch deutlich größer werden, und Beinspannweiten von mehr als 1,5m und Gewichte von etwa 10kg erreichen. Allerdings sind solche Größen recht selten, und die große Masse der Tiere bleibt darunter. Der eigentliche Körper ist dabei nicht einmal allzu groß, doch die enorme Länge der Beine läßt diese Tiere wirklich extrem groß erscheinen. Zweifellos würden sich diese Tiere auch  gut als Requisiten für einen Fantasy-oder Science-Fiction-Film eignen. Vor gar nicht allzu langer Zeit gingen ja diverse Sensationsmeldungen durch die Presse, dass sich diese Tiere immer weiter nach Süden ausbreiten würden, und wohl sogar die deutsche Küste erreichen würde, was allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit Unsinn ist. Da wurden wieder mal bewußt Panikmeldungen gemacht, und die Fakten bewußt unter den Tisch gekehrt.

Im Übrigen sind Königskrabben trotz ihres nicht gerade attraktiven Aussehens durchaus sehr schmackhaft, und werden inzwischen sogar gezüchtet und teuer verkauft.

konigskrabbe

Die unglaublichen Quallen des Monterey Aquariums

Donnerstag, März 5th, 2009

 Letztes Jahr war ein Freund von mir in Kalifornien, und hat dort unter anderem das Monterey Aquarium besucht, eines der größten Aquarien der Welt, und dort einige wirklich atemberaubende Bilder gemacht. Dort gibt es unter anderem selbst große Mondfische und ein gewaltiges ringförmig aufgebautes Becken mit großen Thunfischen. Aber mit am faszinierensten dürften die großen Aquaren mit den Quallen sein. Während man bei uns in zoologischen Gärten vielleicht mit Glück gerade mal Ohrenquallen aus der Nord-und Ostsee zu sehen bekommt, werden im Monterey Aquarium gleich eine ganze Reihe von Arten gehalten, teilweise sogar große Staatsquallen mit mehrere Metern langen Tentakeln und riesigen, schon beinahe grotesk aussehenden Schirmen. Ich gebe zu dass ich von Quallen nicht allzu viel Ahnung habe, daher kann ich diese Photos auch nicht großartig kommentieren, aber ich denke die Bilder sprechen schon für sich allein genug:

monterey-aquarium

monterey-aquarium-2

monterey-aquarium-3

monterey-aquarium-4

Diese Quallen finde ich besonders faszinierend, denn anstatt freischwebend im Wasser ihre Beute zu fangen, schwimmen sie auf den Grund recken wie Seeanemonen ihre Tentakeln in die Höhe.

monterey-aquarium-5

monterey-aquarium-6

monterey-aquarium-7

monterey-aquarium-8

Buchrezension:The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History

Mittwoch, März 4th, 2009

Kürzlich habe ich ja bereits das Buch “Evolving Eden: An Illustrated Guide to the Evolution of the African Large Mammal Fauna” vorgestellt. Das ist aber zum Glück nicht das einzige Buch das von Alan Turner und Mauricio Anton veröffentlich wurde. Mit “The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History” haben die beiden nicht wenige als DAS absolute Standardwerk über fossile Katzen geschrieben. Nirgendwo sonst findet man derartig viele und hintergründige Informationen zur Entwicklung, Anatomie und Biologie ausgestorbener Katzenartiger. Wie dem Titel schon zu entnehmen ist, finden aber auch die heutigen Arten Erwähnung, was in direkten Vergleichen zu ihren ausgestorbenen Verwandten durchaus sehr interessant ist.

Extem positiv fällt die enorme Fülle an Illustrationen auf. Man merkt sofort dass Mauricio Anton einer der fähigsten und wohl auch produktivsten Paläo-Illustratoren ist, in Bezug auf ausgestorbene Säugetiere womöglich sogar weltweit der beste. Der Großteil der Zeichnungen sind Bleistiftzeichnungen, daneben findet man noch einige größere colorierte Bilder. Was den Inhalt der Bilder angeht, so kann man sich diesen fast nicht mehr besser wünschen. Man findet nicht nur jede Menge Lebendrekonstruktionen welche die entsprechenden Tiere von der Seite zeigen, was eine sehr gute Anschauung der Proportionen ermöglicht, sondern auch unzählige Zeichnungen von Schädeln und anderen anatomischen Details, wunderbare schrittweise Lebendrekonstruktionen die direkt auf dem Skelett und den darauf rekonstruierten Muskeln basieren, Vergleichsdarstellungen mit lebenden Arten, schematische Darstellungen wie etwa die beim Tötungsbiss im Halsbereich getroffenen anatomischen Strukturen des Beutetieres, Bewegungssequenzen, Verhaltensrekonstruktionen und und und. Man findet selbstverständlich auch nicht nur die bekannteren Vertreter ausgestorbener Katzenartiger wie etwa die populären Angehörigen der Gattung Smilodon, Machairodus oder Homotherium, sondern auch viele eher unbeanntere Arten wie etwa den Riesengeparden Acinomyx pardinensis oder der winzigen Säbelzahnkatze Paramachairodus. Auch wird auf eine ganze Reihe kleiner Formen aus der frühen Entwicklungszeit der Katzenartigen eingegangen, und man findet auch noch eine nicht unerhebliche Menge anderer prähistorischer Fleischfresser, angefangen bei Beuteltieren wie Thylacosmilus oder Thylacoleo zu verschiedenen Hunde-und Hyänenarten sowie ein paar anderen. 

Man kann dieses Buch wirklich nur absolut empfehlen, denn es handelt sich um ein absolutes Musterbeispiel paläontologischer Literatur, genau so sollte ein solches Buch sein.

Die Folgen der Domestikation beim Schweineschädel

Mittwoch, März 4th, 2009

Das Hausschwein gehört in unserem Kulturkreis zweifellos zu den wichtigsten Nutztieren überhaupt. Die lange und sehr intensive Zucht hat dabei auch ihre Spuren in der Anatomie dieser hinterlassen. Nicht nur dass so relativ belanglose Merkmale wie etwa die Farbe oder auch der Fettansatz nach speziellen Kriterien selektiert wurden, es gab auch weitaus massivere Änderungen in der Anatomie. Etwa besitzen die meisten heutigen Hausschweine 16 oder sogar 17 Rippenpaare, Wildschweine dagegen nur 14 Paare. Die in aller Regel angeführte Darstellung, dass dem Hausschwein zusätzliche Rippenpaare “angezüchtet” wurden, ist dabei aber sehr unglücklich. Zusätzliche Rippenpaare kann man nicht einfach anzüchten, denn derartige Veränderungen gehen auf zufällige Mutationen zurück, deren Auftreten man nicht gezielt herbeiführen kann. Es wurden also keine zusätzlichen Rippen angezüchtet, sondern Schweine die dieses Merkmal aufwiesen, gezielt selektiv weitergezüchtet um dieses Merkmal reinerbig zu festigen. Rippen hängen üblicherweise ja auch nicht im Nichts, darum gehen sie selbstverständlich auch mit einer Zunahme der Wirbel einher. Als Folge davon sind moderne Hausschweinrassen auch in ihrem Erscheinungsbild deutlich länger als Wildschweine.

Besonders massiv sieht man die Folgen der Domestikation wenn man einmal die Schädel von modernen Hausschweinen mit jenen von Wildschweinen vergleicht. Ich schreibe bewußt “moderne” Hausschweine, denn die Zucht auf möglichst schnelles Wachstum und möglichst hohen Fleischertrag begann erst etwa um 1900, davor hatten die meisten Schweine immer relativ stark ihrer Stammform geähnelt. Sie waren insgesamt kleiner und auch zierlicher als heute, mit einer deutlich längeren Schnauze und oft auch noch von deutlich mehr Borsten bedeckt. Vor allem in unindustrialisierten Gebieten haben sich teilweise auch noch heute sehr ursprüngliche Rassen erhalten können, die auch noch keine Merkmale wie etwa zusätzliche Wirbel und Rippen aufweisen, und sich auch in ihrem Schädel nicht ganz so massiv von Wildschweinen unterscheiden. Dieses Photo habe ich im Bauerhof-Bereich der Stuttgarter Wilhelma gemacht, wo auch noch verschiedene alte und beinahe ausgestorbene Nutztierrassen gehalten werden:

wildschwein-und-hausschwein-schadel

Die Schädel dieses Haus-und Wildschweines unterscheiden sich so massiv voneinander, dass man sie für völlig unterschiedliche Arten halten könnte. Der Schädel des Hausschweines ist nicht nur deutlich kürzer und höher, sondern weicht auch in einer ganzen Reihe von anderen Details ab, etwa der massiven Verkürzung des Nasenbeines, das beim Wildschwein noch etwa auf gleicher Höhe mit dem vordersten Teil des Oberkiefers liegt. Während beim Wildschwein die Schnauzenregion des Schädels eine konvexe Oberfläche aufweist, ist sie dagegen bei diesem Hausschweinschädel schon konkav, außerdem fällt auch, dass der Stirnbereich regelrecht aufgequollen wirkt.

Besonders augenfällige Unterschiede findet man auch beim Gebiss. Nicht nur dass mit der allgemeinen Verkürzung des Schädels auch weniger Platz für die entsprechenden Zähne ist (Schweine haben ein sehr ursprüngliches Gebiss mit einer großen Anzahl von Zähnen), auch die Orientierung ist teilweise völlig anders. Bei Wildschweinen (wie auch bei allen anderen echen Schweinen) wachsen die Oberkiefereckzähne nicht nach unten, sondern verdreht nach oben, so dass die Spitzen nach oben weisen und sie sich großflächig mit den Eckzähnen der Unterkiefers facettenartig abschleifen (außer beim Babirussa, weil bei den Ebern dieser Art die oberen Eckzähne ja bekanntlich direkt außerhalb des Maules durch die Schnauze wachsen). Bei diesem Hausschweinschädel jedoch ragen die oberen Eckzähne praktisch “normsl” noch unten, ganz ähnlich wie bei einem Pekari. Dieses Merkmal ist nicht bei allen Hausschweinen so extrem ausgeprägt, bei manchen ragen die oberen Eckzähne tatsächlich noch nach oben, bei anderen ragen sie zur Seite. Das auch bei diesem Hausschwein die Eckzähne nicht gerade in einer physiologisch besonders günstigen Richtung wuchsen, kann man gut bei diesem Bild sehen:

wildschwein-und-hausschwein-schadel-3

Aber das ist nicht die einzige Anomalie des Gebisses. Betrachtet man die Schneidezähne, so erkennt man dass diese nicht nur leicht schief und lückig stehen, sondern auch in einer ganz anderen Verzahnung als beim Wildschein. Durch die massive Verkürzung des Schädels kann es zu einer ganzen Reihe von Fehlstellungen der Schneidezähne kommen, ein Phänomen das auch bei vielen kurzköpfigen Hunderassen auftritt, und dort von den Züchtern teilweise sogar als Rassemerkmal bewußt weitergezüchtet wird. Es kann zu einem offenen Biss kommen, bei dem die Schneidezähne von Ober-und Unterkiefer sich nicht mehr gegenseitig übergreifen, sondern selbst bei völlig geschlossenem Maul noch auseinander klaffen. Sie können aber auch so stehen, dass sie direkt aufeinander treffen, und sich so gegenseitig an horizontal flach abschleifen, das wäre ein sogenannter Kopfbiss. Sehr häufig findet man aber auch einen umgekehrten Überbiss, wenn der Oberkiefer so stark verkürzt ist, dass die unteren Schneidezähne vor den oberen stehen, also genau andersherum als es normalerweise sein sollte. All diese Gebissanomalien kann man in vergleichbarer Form auch gelegentlich im menschlichen Gebiss finden, wo sie bei den Betroffenen teilweise massive Unannehmlichkeiten verursachen können, doch dass beinahe jedes Zuchtschwein so etwas hat, macht sich fast niemand bewußt.

wildschwein-und-hausschwein-schadel-2

Es gäbe zu diesem Thema noch weitaus mehr zu schreiben, denn bei Schweinen gibt es noch eine ganze Reihe anderer seltsamer Merkmale die im Laufe der Domestikation bei einigen Rassen aufgetreten sind, etwa dasVerschmelzen der Hufe (eigentlich ist das schon echte Makroevolution) oder seltsame “Glöckchen” wie bei Ziegen, die es bei alten irischen Rassen teilweise gegeben hat.

Schweineschädel

Dienstag, März 3rd, 2009

Schädel sind immer faszinierend, besonders wenn sie so martialisch aussehen wie bei Schweinen. Diese schönen Stücke stammen aus dem zoologischen Museum in Hamburg.

Hier der Schädel eines Warzenschweines (Phacochoerus africanus) und eines Wildschweines (Sus scrofa):

warzenschwein-und-riesenwaldschweinschadel

Man sieht dabei gut was für enorme Ausmaße die Eckzähne der Warzenschweine erreichen können. Die lebenden Warzenschweine entsprechen in ihrer Größe ungefähr unseren Wildschweinen, aber es gab einstmals noch weitaus größere Formen, welche auch noch gewaltiger ausgrprägte Hauer hatten (mehr dazu kann man in “Evolving Eden” nachlesen). Sehr merkwürdig sind auch die extrem weit oben angesetzten Augen des Warzenschweines, was man hier besonders gut im Vergleich zu dem Wildschweinschädel sieht. Die beim lebenden Warzenschwein teilweise sehr großen namensgebenden Warzen bestehen nur aus festem Bindegewebe und sind nicht verknöchert, daher kann man sie man blanken Schädel auch nicht sehen.

Der Schädel eines Pekaris oder Nabelschweines. Die Pekaris unterscheiden sich, obwohl sie oberflächlich den altweltlichen Schweinen sehr ähnlich sehen, in einer ganzen Reihe von Merkmalen von ihnen. Ein besonders augenfälliges Merkmal des Schädels sind die oberen Eckzähne, denn sie wachsen nicht zur Seite oder nach oben, sondern wie normale Eckzähne nach unten.

pekari-schadel