Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for Januar, 2009

Buchrezension: Seeungeheuer – Mythen, Fabeln und Fakten

Samstag, Januar 3rd, 2009

Wenn man von Seeungeheuern spricht stellt man sich zumeist fantastische Monstren vor, etwa die große Seeschlange oder gewaltige Schiffe versenkende Kraken. In diesem Buch werden zahlreiche "Ungeheuer" vorgestellt, sowohl solche die tatsächlich existieren als auch solche, von denen man stark annehmen muss dass ihre Existenz zumindest stark zweifelhaft ist wie zum Beispiel das Ungeheuer von Loch Ness. Das Hauptthema dieses mit 388 Seiten ziemlich umfangreichen Werkes sind jene Meereslebewesen die von jeher den Menschen in seinen Bann ziehen und vielfach mystifiziert oder sogar dämonisiert wurden, aber auch die echten Ungeheuer der Kryptozoologie kommen keineswegs zu kurz. Da dieses Buch erst 1997 erschien, sind die darin erhaltenen wissenschaftlichen Daten auf ziemlich aktuellem Stand da der Autor sich stark bemühte veraltete Vorstellungen und unnötige, aber leider weit verbreitete Fehldarstellungen zu vermeiden, was ihm auch mit Bravour gelungen ist. Es werden viele Wesen vorgestellt, die an sich schon faszinierend genug sind, etwa Tiefseekalmare oder Seekühe, gleichzeitig wird auf viele erst relativ neu entdeckte oder nur sehr unzureichende Meeresbewohner eingegangen. Zudem räumt der Autor mit vielen alten Märchen und Mythen auf, die leider auch in vielen kryptozoologischen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit Jahrzehnten ungeprüft übernommen werden, etwa der tatsächlichen Größe des Megalodon oder der wirklichen Größe von Saugnäpfen des Riesenkalmar, die entgegen unzähliger Bücher keineswegs tellergroß sind. Besonders interessant ist auch die Geschichte der Entdeckung des Riesenkalmars und dessen Biologie, aber auch die vielfältigen und in der Regel gut nachvollziehbaren Erklärungsversuche von Seeungeheuer durch bereits bekannte Lebewesen oder optische Phänome. Es wird sogar auf Literatur und Filme eingegangen, die tatsächliche oder erfundene Monster zum Inhalt haben, wie etwa "Moby Dick" oder "Der Weiße Hai", sowie kurze Ausschnitte aus Romanen oder Geschichten, die vielfach aus dem Blickwinkel der Wissenschaft betrachtet und nach Notwendigkeit ins rechte Licht gerückt werden. Die zahlreichen Bilder sind zwar leider nur in schwarz-weiß, dafür aber in der Regel sehr interessant und ansonsten selten zu finden, wie etwa ein Photo eines 6m langen Mesonychoteuthis oder alten Darstellungen und Steckbriefe des Riesenkalmar. Der Inhalt ist recht weit gefächert und in 14 Kapitel unterteilt, so dass hier wirklich nur ein sehr kleiner Einblick wiedergegeben werden kann.

  1. Kapitel: Seeungeheuer-eine Einfürung: Hier wird auf die Darstellung von Seeungeheuern in der Geschichte eingegangen, sowie zoologischen Neuentdeckungen wie dem Riesenmaulhai
  2. Kapitel: Das Ungeheuer von Loch Ness: Der Name sagt eigentlich schon alles, wobei der Autor u.a. gut zeigt was im biologischen Sinn möglich wäre und was alles nicht
  3. Kapitel: Seeschlangen: Hier werden zahlreiche Berichte von Seeungeheuern vorgestellt, die ins Seeschlangen-Schema passen, sowie Lebewesen die dahinter stecken könnten
  4. Kapitel: Seejungfrauen und Seekühe: Hier werden alte Fälschungen aus Rochen oder anderen Fischen gezeigt, die zu vermeintlichen Meerjungfrauen oder Drachen umgestaltet wurden, zudem die Biologie der Seekühe unter besonderer Berücksichtigung der Stellerschen Seekuh.
  5. Kapitel: Der Krake: Wissenschaftliche Erkenntnisse über den Riesenkalmaren sowie dessen Enteckungsgeschichte
  6. Kapitel: Die Biologie des Kalmaren: Hier werden verschiedene Tiefseekalmare, allgemein unbekanntere Riesenkalmare und ihre Biologie im Allgemeinen behandelt
  7. Kapitel: Leviathan oder der Wal: Hier geht es vor allem um den Pottwal
  8. Kapitel: Levianthan versus Krake: Die Jagdstrategien des Pottwales und das gar nicht so dramatische Zusammentreffen von Riesenkalmar und Pottwal
  9. Kapitel: Der Oktopus als Monster: Der Oktopus in Geschichte, Film, Literatur und Wirklichkeit
  10. Kapitel: Biologie des Oktopus: Lebensweise und Biologie des achtarmigen Kraken
  11. Kapitel: Blobs und Globster: Hier werden seltsame und schwer zu identifizierende Fleischklumpen behandelt, die seit Jahrzehnten immer wieder an Küsten angespült werden
  12. Kapitel: Der Hai: Biologie und Verhalten von Haien, besonders des Großen Weißen, sowie neueste Erkenntnisse über den Megalodon
  13. Kapitel: Die neue Mythologie der Monster: Hier werden zahlreiche Erklärungsmöglichkeiten für verschiedene Seeungeheuer vorgestellt
  14. Kapitel: Fragebogen der Linné-Gesellschaft: Als kleiner Gag wird hier ein ernsthafter Fragebogen für eine Seeungeheuer-Sichtung gezeigt.

Dieses Buch sollte wirklich jeder haben der sich auch nur ein bisschen für Seeungheuer und die Biologie von Kalmaren interessiert. Der Kauf lohnt sich alle mal, zumal dieses Buch inzwischen in einigen Versandkatalogen oder auch unter Amazon teilweise für einen absolut ungerechtfertigten Spottpreis zu haben ist. Mein Tipp: Kaufen solange dieses wunderbare Buch noch erhältlich ist.

Bilder des Tages: Entenwalschädel

Samstag, Januar 3rd, 2009

Die Schnabelwale beinhalten einige der bizarrsten und auch größten Zahnwale überhaupt, dennoch ist bisher nur sehr wenig über die meisten Arten bekannt. Auch in Büchern findet man in der Regel nur relativ spärliche Angaben über jene hochinteressanten Tiere. Dass so wenig über viele Schnabelwale bekannt ist, ist vor allem insofern erstaunlich, als dass sie teilweise äußerst beachtliche Größen erreichen können. Der Baird´s Schnabelwal ist nach dem Pottwal der zweitgrößte Zahnwal der Erde, und übertrifft selbst die kleinsten Bartenwale noch an Größe. Aber auch der Nördliche Entenwal (Hyperoodon ampullatus), welcher in Ausnahmefällen sogar in den Gewässern Norddeutschlands als Irrgast vorkommt, erreicht außerordentlich respektable Ausmaße. Das wird allein schon bei der gewaltigen Größe des Schädels sichtbar, welcher jenem eines Orcas absolut nicht nachsteht. Entenwale sind spezialisierte Tieftaucher, welche ganz ähnlich den Pottwalen weit in die Tiefsee abtauchen, wo sie sich vor allem von Kalmaren und Fischen ernähren. Die allermeisten Schnabelwale zeigen eine massive Reduktion des Gebisses, wobei bei einigen Arten wie Mesoplodon densirostris die verbliebenen Zähne aber bei den Männchen zu hauerartigen Waffen für Rivalenkämpfe umgebildet sind. Beim Nördlichen Entenwal sind die verbliebenen Zähne dagegen nur noch äußerst klein, und sitzen ganz vorne an der Spitze der Kiefer. Wie viele andere spezialisierte Kalmarfresser, saugen sie ihre Beute primär ein, anstatt sie mit dem Maul zu packen. Interessant ist auch die Entwicklung des Schädels mä nnlicher Entenwale. Junge Exemplare ähneln noch stark den Weibchen, doch je älter sie werden, um so stäker prägt sich die Melone am Kopf aus, siw wird immer höher und steiler, und wölbt sich sogar schärg nach vorne, nicht unähnlich der Kopfform alter männlicher Pottwale, nur mit dem Unterschied, dass bei den Entenwalen die Schnauze noch frei bleibt.
Hier ein Exemplar aus dem Zoologischen Museum in Hamburg:

entenwal

Ein weiteres aus dem Zoologischen Museum in Kiel:

nordlicher-entenwal

Und noch mal eine andere Ansicht:

nordlicher-entenwal2

Bild des Tages: Schädel eines La Plata Delphins

Freitag, Januar 2nd, 2009

Heute gibt es ein Photo eines La-Plata-Delphines (Pontoporia blainvillei), des kleinsten aller lebenden Flussdelphine. Allerdings muss hier zugefügt werden, dass der kleine La-Plata-Delphin nicht wie etwa der Amazonas-Delphin ein ausschließlicher Süßwasserbewohner ist, sondern sich primär in Küstengewässern aufhält.
Hier ein Photo aus dem Zoologischen Museum Hamburg:

la-plata-delphin

Man achte vor allem auf die extrem lange Schnauze mit den sehr zahlreichen Zähnen. Seltsamerweise gibt es unter den heutigen Zahnwalen nur sehr wenige Arten mit relativ langen Schnauzen, und keine einzige, bei der dies in extremer Weise ausgeprägt ist. Unter den ausgestorbenen Walen kennt man dagegen eine ganze Reihe, auch unverwandter Formen, welche teilweise massiv verlängerte schmale Kiefer hatten.

Buchrezession: Haie im Mittelmeer: Alle 49 Arten

Donnerstag, Januar 1st, 2009



Bücher über Haie gibt es ja zugegebenerweise viele, und glücklicherweise sind viele davon auch recht gut. Ein ganz besonders empfehlenswertes Werk ist allerdings “Haie im Mittelmeer: Alle 49 Arten” von Alessandro DeMaddalena und Harald Bänsch. Die der Titel schon klar zeigt, handelt es sich um ein recht spezifisches Buch über Haie, da eben nur jene Arten abgehandelt werden, welche auch im Mittelmeer vorkommen. Was sich auf den ersten Blick vielleicht etwas langweilig anhört, da dies ja bedeutet dass man über viele Spezies in diesem Buch überhaupt nichts finden wird, stellt sich aber in diesem Fall als große Stärke heraus. Denn in diesem wunderbaren Fachbuch findet man eben auch viele Arten, über die man in anderen Haibüchern bestenfalls in Fußnoten oder Listen stolpert. So findet man nicht nur die altbekannten Arten wie den Riesenhai, den Tigerhai oder den Blauhai, sondern auch so obskur benannte und unbekannte Arten wie den Milchhai, den Düsteren Hai oder den Seestraßenhai.
Zudem finden sich eine große Zahl schöner Photos (allerdings nicht zu jeder einzelnen Art, einige wenige wurden nur gezeichnet), sowie unzählige anschauliche Schwarzweißzeichnungen, welche anatomische Details oder bestimmte Verhaltensweisen hervorheben.
Neben den einzelnen Artenportraits befindet sich auch eine recht ausführliche Einführung über die allgemeine Biologie der Haie, sowie ihrer Erforschung, natürlich vor allem auf die Arten des Mittelmeeres bezogen. Wer sich für Haie interessiert, dem sei dieses Buch absolut empfohlen, zumal es den großen Vorteil hat, auch in deutscher Sprache geschrieben zu sein.