Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for April, 2008

Der “Lurchenschlächter” Batrachotomus

Dienstag, April 29th, 2008

Wenn man an große ausgestorbene räuberische Landreptilien denkt, dann fallen einen in der Regel primär mal Theropoden ein, angefangen von “kleineren” Arten wie Dilophosaurus, bis hin zu Giganten wie dem altbekannten Tyrannosaurus oder dem noch größeren Giganotosaurus. Zugegebenerweise brachte dieser Zweig der Dinosaurier die mit Abstand größten und beeindruckensten Raubtiere hervor, die je das Anlitz der Erde beschritten (Riesenformen von Krokodilen, über die es auch mal gehen soll, lasse ich jetzt einfach mal außen vor, da sie ja amphibisch lebten). Doch das erdgeschichtliche Bestiarium kennt noch eine ganze Reihe anderer großer, fleischfressender Landbewohner unter den Reptilien, die aber, wie so viele andere auch, im populären Schatten der Dinosaurier stehen. Bevor diese ihren evolutionären Siegeszug über die Erde beginnen konnten, lebten noch ganz andere Wesen, welche in vieler Hinsicht nicht minder spektakulär war, wenngleich sie niemals die Ausmaße der wirklich großen Dinosaurier erreichten.

Eines dieser Wesen war Batrachotomus kupferzellensis, ein gewaltiges Raubtier von etwa 5m Länge, das unter seinen Zeitgenossen Angst und Schrecken verbreitet haben muss. Er gehörte zu den Prestosuchidae, und war in der Zeit des oberen Keuper eines der größten Landraubtiere überhaupt. Man kann sich diese Tiere ganz gut als eine Art vierbeinigen Carnosaurier vorstellen, denn tatsächlich erinnerten die hohen und seitlich komprimierten Schädel recht stark an jene von den erst viel später erscheinenden großen Theropoden. Sie besaßen recht lange Beine, und bewegten sich auf recht aufrechte Art fort. Dieses Photo zeigt eine lebensgroße Rekonstruktion aus dem Museum am Löwentor in Stuttgart:

Batrachotmus im Schachtelhalmwald

Man erkennt auch gut die Panzerplatten auf dem Rücken, welche ganz ähnlich aussahen wie von Krokodilen. Interessanterweise waren diese Rückenpanzerplatten über starke Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, und ermöglichten es die Wirbelsäule durchzubiegen, um beim Laufen hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Auch heutige Krokodile besitzen dadurch als einzige Nicht-Säuger diese Fähigkeit zu Galoppieren, mit der sie auf kurze Strecken sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen können. Bei größeren Exemplaren sieht man das kaum jemals, was sicherlich auch an der Körpermasse liegt. Dieses Galoppieren wird allerdings nicht zum Angriff, oder zum Ergreifen von Beute genutzt, sondern zur Flucht. Australienkrokodile (Crocodylus johnsoni) etwa wenden diese Fortbewegungsweise um sich vor den häufig im gleichen Lebensraum vorkommenden und viel größeren Leistenkrokodilen (C. porosus) in Sicherheit zu bringen. Man kann allerdings mit einiger Sicherheit annehmen, dass Batrachotmus eine galoppierende Fortbewegungsweise tatsächlich primär zur Jagd benutzt hat. Der Anblick eines derartigen Riesen, wie er mit voller Geschwindigkeit und auf eine für Reptilien eigentlich äußerst ungewohnte Weise seiner Beute hinterherjagte, muss zweifellos ein beeindruckender Anblick gewesen sein - und sicherlich für viele Wesen einer der letzten visuellen Eindrücke in ihrem Leben. Die Knochenplatten an den Flanken dagegen waren coneinander isoliert, und hatten wohl tatsächlich eher einen defensiven Charakter.

Den Namen Batrachotomus bekam dieser Räuber anhand der Funde von mehreren Fossilien des riesigen Mastodonsaurus (über den schon früher geschrieben wurde) aus Kupferzell, welche die Zahnspuren des Prestosuchiden aufwiesen. Ob hier Kadaver gefressen, oder diese Riesenamphibien aktiv erbeutet wurden, läßt sich hier allerdings kaum noch sagen. Ich würde es allerdings keineswegs ausschließen, dass hier tatsächlich Riesenamphibien zumindest manchmal auch gejagt und getötet wurden. Sowohl Jaguare, als auch Löwen und Tiger töten immer wieder teils recht große Kaimane, bzw Krokodile, um diese zu fressen, auch wenn es auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich erscheint, dass ein teilweise recht großes und auch nicht ungefährliches anderes Raubtier als Beutetier gewählt wird.

Hier sieht man noch ein Photo eines rekonstruierten Schädels aus der Ausstellung:

Schädel von Batrachotomus 

Der Riesenpanzerfisch Dunkleosteus

Montag, April 7th, 2008

Er war einer der größten Fische die es jemals gegeben hat, und zu seiner Zeit das größte Lebewesen auf der ganzen Welt. Die Rede ist von Dunkleosteus terrelli, einem der größten bekannten Knochenfische aller Zeiten. Diese bizarren Raubfische besaßen einen riesigen gepanzerten Kopf, und ständig nachwachsende scharfkantige Knochenplatten in ihren Kiefern, welche wie eine gewaltige Brechschere wirkten, und sicherlich hervorragend dazu geeignet war, Beutetiere wie etwa andere Panzerfische in Stücke zu beißen. Wie groß diese Tiere genau gewesen sind, läßt sich schwer sagen, da man eigentlich nur ihre fossilierten Schädelpanzer kennt, wie etwa dieses wunderschöne Exemplar aus dem Naturhistorischen Museum in Wien:

Dunkleosteus-Schädel Seitenansicht

Ältere Darstellungen zeigen Dunkleosteus in der Regel mit einem relativ langgestreckten Körper und spitz auslaufendem protozerken Schwanz, anhand von Vergleichen mit bessererhaltenen verwandten Formen ist es aber wohl wahrscheinlcher, dass sie insgesamt etwas kürzer waren, und die Schwanzspitze nach oben geschwungen, und wie bei Haien eine heterozerke Schwanzflosse besaß. Dennoch dürften diese Riesen mindestens Längen von 6m erreicht haben, also etwa so viel wie ein sehr großer Weißer Hai. Eine weitere Parallele zu vielen Haien ist die verblüffende Feststellung, dass sich Dunkleosteus wahrscheinlich durch innere Befruchtung fortpflanzte. Zwar kennt man von Dunkleosteus selbst keine postkranialen Überreste, doch die Fossilien des verwandten   Rhamphodopsis zeigen dass die Männchen wie Haie oder Rochen über sogenannte Klasper verfügten, also paarige Organe welche zur inneren Befruchtung benutzt werden, während die Weibchen breite basale Beckenplatten aufwiesen. Da man Knochenplatten dieser Art kennt, welche unverheilte Verletzungen aufweisen, kann man davon ausgehen, dass diese Tiere eine recht stark ausgeprägte innerartliche Aggressivität zeigten, und vielleicht sogar kannibalistisch waren.

Hier noch eine Frontalansicht:  Dunkleosteus-Schädel Frontalansicht

Und noch eine selten gezeigte Innenansicht des Schädels:

Dunkleosteus-Schädel Innenansicht

Vegane Kannenpflanze

Samstag, April 5th, 2008

Wenn man ein etwas wildwucherndes Terraium mit fleischfressenden Pflanzen besitzt, dann ergeben sich dabei mitunter seltsame Konstellionen der Wuchsformen, so wie es bei mir in den letzten Wochen in meinem großen 200l Karnivoren-Terrarium passiert ist. Die Kannenranke einer kleinen Nepenthes x ventrata wuchs zufällig in die Kannenöffnung einer größeren Nepenthes x ventrata hinein, und entwickelte sich dort zu einer Kanne. Wie das aussieht, kann man hier schön sehen:

Vegane Kannenpflanze

Oben links im Bild sieht man übrigens noch einen Arm einer Drosera binata und eine andere hybride Kannenpflanze, welche wahrscheinlich N. ventricosa in ihrer Ahnenreihe hat. Die allermeisten Kannenpflanzen die man zu kaufen bekommt, sind Hybriden, da diese besser wachsen, und robuster sind. Normalerweise bekommt man nur N. x ventra, ein Hybride aus N. ventricosa und N. alata, manchmal aber auch andere Hybriden. Diese sind allerdings aufgrund der Auswahl der Ausgangsarten in ihrem Aussehen relativ unspektakulär, und können kaum mit den etwas exotischeren reinen Arten oder Hybriden mithalten, wie etwa der wunderschönen N. singalana oder N. ovata