Bestiarium

Fantastisches aus Biologie, Paläontologie und Kryptozoologie

Archive for Juni, 2007

Angebliche Aasfresser Teil 2: Tyrannosaurus rex

Montag, Juni 25th, 2007

 Jurassic-Park Tyrannosaurus

Vor einiger Zeit machte in den Medien die Schlagzeile die Runde, dass neue Erkenntnisse zeigen sollen, dass kein geringerer als der berühmt berüchtigte Tyrannosaurus rex nicht ein furchteinflößendes Raubtier, sondern ein fauler Aasfresser gewesen ist. Die Idee dass die großen Theropoden nicht selbst jagten, sondern auf der Suche nach Aas in der Gegend herumstreiften, oder kleineren Raubtieren die Beute abjagten, ist nicht gerade neu. Im Falle von T-rex wurde sie allerdings vor allem von dem bekannten amerikanischen Paläontologen Jack Horner postuliert. In Horners Augen waren Tyrannosaurier große langsame Fleischberge, die mit ihrem gut entwickelten Geruchssinn nach Aas suchten, oder auch kleineren Theropoden die Beute stahlen, und praktisch unfähig waren, selbst auf die Jagd zu gehen.

Wie kommt Horner nun darauf? Eines seiner Hauptargumente sind die winzigen Stummelärmchen des T-rex, die kaum eine Rolle bei der Jagd gespielt haben dürften, außerdem war er seiner Ansicht nach viel zu langsam, um andere Tiere jagen zu können. Ein weiteres Argument Horners ist das Gehirn von T-rex. Dieses zeigt dass bei Tyrannosauriern die Bereiche die für das Riechen zuständig waren, ausgesprochen groß waren, woraus er Parallelen zu Geiern zieht, und annimmt, der gute Geruchssinn wäre dazu benutzt worden um Kadaver aufzuspüren. Gleichzeitig soll er nicht besonders gut gesehen haben. Inwiefern dass stimmen soll, wird später erörtert. Ein weiterer Punkt den Horner seltsamerweise glauben läßt dass Tyrannosaurier Aasfresser waren, ist jener dass jüngste Funde darauf hindeuten dass sie nicht als Einzelgänger, sondern in Familienverbänden gelebt haben. Ein weiteres Argument sollen Reste von großen herbivoren Pflanzenfressern sein, bei denen von Tyrannosauriern stammende Fraßspuren an jenen Stellen zu finden sind, wo beim Abfresser eines Kadavers die letzten Reste hängenblieben. Außerdem meint er dass die Zähne eher darauf ausgerichtet waren Knochen zu brechen, als Fleisch abzufressen.

Ich möchte mich nun jedem der Punkte einzeln widmen, um am Ende ein Resumee zu ziehen, von dem ich jetzt schon sagen kann, dass es Horner ziemlich schlecht dastehen läßt. Das hat nichts mit Voreingenommenheit zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der Tatsache, dass Horner in seine Theorie haufenweise Fehler eingebaut hat, die so offensichtlich sind, dass es schon beinahe weh tut. Danach möchte ich noch auf einige Punkte eingehen, die zusätzlich gegen eine Spezialisierung auf eine Aas-fressende Lebensweies im Allgemeinen, und bei T-rex im Besonderen sprechen. Aber nun zu den Punkten im einzelnen:

 Eines der Hautargumente waren ja die winzigen Arme der Tyrannosaurier. Zum einen sollen sie viel zu klein gewesen sein um bei der Jagd eine Rolle gespielt zu haben, und zum anderen wäre mit ihnen kein Abfangen eines Sturzes möglich. Ich kann ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen wie Jack Horner darauf kommt, dass ein Tier wie Tyrannosaurus rex überhaupt zusätzlich auch noch große starke Arme gebraucht hat. Betrachtet man einmal die großen Theropoden im Allgemeinen, so fällt auf dass praktisch alle größeren Arten nur über relativ kleine und schwache Arme verfügten, in manchen Fällen sogar noch weitaus verkümmerter als bei T-rex. Einzige Ausnahmen waren hier die Spinosauriden, die relativ große, und kräftige Krallen mit einer stark vergrößerten Daumenkralle besaßen. Dafür hatten Spinosauriden auch relativ langezogene und und verhältnissmäßig schwache Kiefer, und vieles spricht dafür dass größere Fische in ihrem Speiseplan eine wichtige Rolle spielten, und ihre Lebensweise gänzlich anders war als jene der anderen großen Theropoden.

 Zwar hatten einige Arten wie etwa die Allosaurier dreifingrige Klauen die noch ein gutes Stück größer waren als jene von T-rex, aber selbst bei ihnen waren sie noch verhältnissmäßig klein, und es erscheint nicht allzu wahrscheinlich dass sie eine große Rolle bei der Jagd spielten. Überhaupt benutzen nur ausgesprochen wenige Raubtiere tatsächlich ihre Krallen um ihre Beute zu fangen. Unter den heutigen Raubsäugern sind es beinahe ausschließlich die Katzen, Wölfe oder Hyänen dagegen fangen und töten ihre Beute einzig mit ihren Kiefern. Auch Warane und Krokodile greifen und töten nur mit den Kiefern, und packen ihre Beute nicht mit den Krallen, was ja zumindest bei Waranen noch gut möglich wäre. Auch die ausgestorbenen Terrorvögeln, die Phorusrhaciden, kamen allen Anschein nach sehr gut ohne Arme aus, und töteten ihre Beute vor allem mit ihren teilweise monströsen Schnäbeln, und möglicherweise auch mit Tritten. Zwar weiß man zumindest von einer Art, Titanis walleri, dass sie sehr robust gebaute Flügel hatten, an denen zwei Klauen saßen, aber im Verhältniss zu Gesamtgröße, waren sie immer noch ziemlich klein, und obendrein auch sehr unbeweglich. Ein zweibeiniges Raubtier muss also keineswegs über zusätzliche starke Arme verfügen, um ein erfolgreicher Jäger zu sein. Gerade bei den Tyrannosauriern zeigt sich ein starker Trend zu Reduktion der Vordergliedmaßen, und einer gleichzeitgen Zunahme der Kräftigkeit des Kopfes. Selbst bei mit etwa 6m nur relativ kleine Formen wie Alioramus waren die Vordergliedmaßen winzig und zweifingrig. Sieht man eine geringe Größe der Vordergliedmaßen bei Theropoden als Beweis für eine Aas-fressende Lebensweise an, dann würde das nicht nur T-rex, sondern eine ganze Reihe anderer Arten betreffen, was genauer betrachtet reichlich unrealistisch ist. Es scheint bei den Tyrannosauriern vielmehr zu einer Verkleinerung der vorderen Gliemaßen gekommen zu weil sie zum einen sowieso keine große Rolle mehr spielten, und zum anderen Gewicht einsparten, was die Enwicklung eines schwereren Kopfes mit kräftigeren Kiefern ermöglichte. Tyrannusaurs und verwandte Arten werden ihre Beute wohl primär mit ihren gewaltigen Kiefern getötet haben, zusätzliche Angriffswaffen in Form von Armen hatten sie sicher gar nicht nötig. Zudem waren die Arme von T-rex gar nicht besonders schwach, sondern hatten im Gegenteil trotz ihrer geringern Größe enorme Muskelansätze, und dürften in der Lage gewesen sein auf jeder Seite mindestens 200kg zu tragen.

Inwieweit sich ein Tyrannosaurier oder ein anderer großer Theropode beim Hinfallen mit den Armen abzustützen vermochte, ist auch schwer zu sagen. Die Antwort dürfte wahrscheinlich unabhängig von der Armgröße die gleich sein, nämlich prakisch gar nicht. Auch heutige Großtiere wie Elefanten oder Giraffen haben im Prinzip keine Möglichkeit sich irgendwie abzufangen wenn sie bei höherer Geschwindigkeit einmal hinfallen, und auch große Laufvögel wie der Strauß, die ja schließlich enorme Geschwindigkeiten erreichen können, sind nicht in der Lage einen Sturz irgendwie abzubremsen. Aber solche Stürze sind relativ selten, und nur weil sie tödlich enden können, muss es ein Tier keineswegs davon abhalten nicht trotzdem schnell zu laufen. Obendrein besaßen Tyrannosaurier besonders gut entwickelte Rippen auf der Bauchseite, die wahrscheinlich die Eingeweide schützten, wenn sie sich niederlegten.

Zwar haben neuere Untersuchungen der Extremitäten von T-rex gezeigt, dass er keineswegs so schnell gewesen ist wie man früher dachte, aber dass bedeutet keineswegs dass er nicht in der Lage war zu jagen. Horner scheint hier vollkommen zu vergessen dass die Schnelligkeit eines Raubtieres keineswegs ausschlaggebend für die Fähigkeit Beute zu schlagen sein muss. Raubtiere die ihre Beute aus dem Hinterhalt anfallen, sind in der Lage Beute zu schlagen, die ihnen an Schnelligkeit weitaus überlegen ist. So sind Komodowarane in der Lage selbst Hirsche oder Pferde zu schlagen, und auch andere Raubtiere wie etwa Tiger sind in der Lage sich an Beutetiere anzupirschen und sie zu schlagen, obwohl sie eigentlich langsamer sind. Einen ganz offensichtlichen Punkt hat Horner auch gänzlich unterschlagen. Wenn Berechnungen zeigen dass ein Tier von der Größe eines Tyrannosaurus rex nicht besonder schnell gelaufen sein kann, wie stand es dann mit seinen ähnlich großen Beutetieren. Die zu seiner Hauptbeute zählenden Hadrosaurier dürften kaum schneller gewesen sein, und die ebenfalls von ihnen gejagten und noch größeren Triceratopse sowieso nicht. Außerdem zeigen Untersuchungen der Knochen dass gerade Tyrannosaurus für seine enorme Größe noch ausgesprochen gut an relativ hohe Geschwindigkeiten angepaßte Beine besaß, im Gegensatz zu Tieren wie etwa Hadrosauriern.

Horners Idee von einem nach Aas suchenden Riesenfleischfresser wurde vor allem durch die große Ausbildung des Riechkolbens im Gehirn des T-rex beeinflusst. Durch Silikonausgüße oder mit Computertomographen ist es möglich die Gestalt von Dinosauriergehirnen bei gut erhaltenen Schädeln recht gut zu rekonstruieren, und anhand von Vergleichen mit den Gehirnen lebender Tiere wie Krokodilen oder Vögeln auch zu analysieren. Aber sagt es tatsächlich etwas über die Lebensweise aus, dass Tyrannosaurier gut riechen konnten? Horner benutzte Geier als Vergleich, die mit ihrem Geruchssinn Kadaver ausspüren. Schon dieser Vergleich hinkt, denn lediglich die Neuweltgeier wie etwa Raben-, Truthahn- oder Königsgeier finden Kadaver tatsächlich mit dem Geruch, die Altweltgeier wie Mönchs-, Gänse-oder Bartgeier finden ihre Nahrung ausschließlich mit den Augen, ihr Geruchssinn ist nur sehr schlecht entwickelt. Betrachtet man einmal verschiedene Raubtiere, dann fällt auch auf dass ein gut entwickelter Geruchssinn in keinerlei Kontrast zu einer jagenden Lebensweise stehen muss. Wölfe etwa haben einen außerordentlich gut enwickelten Geruchssinn, aber sie sind dennoch ausgezeichnete Jäger. Löwen dagegen, bei denen der Geruchssinn auf Kosten des Sehsinnes verringert ist, fressen ziemlich häufig Aas das sie anderen Raubtieren wie etwa Hyänen abgejagt haben. Warane haben ebenfalls einen enorm guten Geruchssinn, aber sie benutzten ihn keineswegs nur zum Aufspüren von Aas, sondern genauso um auch Beutetiere aufzuspüren.

Laut Jack Horner soll T-rex auch schlecht gesehen haben. Was hier eindeutig dagegen spricht, ist dass gerade Tyrannosaurier die Fähigkeit besaßen binokular zu sehen, da sich die Sichtfelder beider Augen relativ großflächig überschritten, was bei vielen anderen Theropoden nicht der Fall war, wie etwa bei dem noch größeren Giganotosaurus, bei dem die Augen viel weiter seitlich lagen. Binokulares Sehen ermöglicht erst ein präzises Abschätzen von Entfernungen, und ist ein typisches Merkmal von Raubtieren wie etwa Greifvögeln oder Raubkatzen. Für einen hypothetischen Aasfresser hätte das wenig Sinn gemacht, vielmehr wären dann seitlich am Kopf liegenden Augen vorteilhafter gewesen, die einen möglichst weiten Umkreis auf einmal wahrnehmen können, etwa um an einem Kadaver beim Fressen möglichst früh herannahende Konkurrenten erkennen zu können. Bei diesem Photo, aufgenommen in der Sonderausstellung “Saurier – Erfolgsmodelle der Evolution” im Stuttgart Museum am Löwentor, kann man sehr gut erkennen, dass Tyrannosaurus ein binokulares Sehfeld hatte, und daher auch in der Lage war, räumlich zu sehen, und Entfernungen gut abschätzen zu können:

Warum Jack Horner Leben in Gruppen oder Rudeln bei Tyrannosauriern als Argument für einen Aasfresser heranzieht, ist mir gänzlich schleierhaft. In einem normalen Ökosystem dürfte es selbst für einen einzelnen Aasfresser von der Größe eines T-rex nahezu unmöglich sein, immer genug Nahrung zu finden, bei einer ganzen Familie, die aus mehreren Erwachsenen und halbwüchsigen Individuen besteht, ist das ganze praktisch ausgeschlossen. Viel mehr deutet das Leben im Rudel nicht nur auf eine soziale Lebensweise, sondern auch auf eine hochentwickelte Jagdweise hin. Raubtiere die im Rudel jagen, können noch viel größere Beutetiere überwältigen als Einzelgänger, außerdem ermöglicht es auch eine strategische Jagdweise, bei der Beutetiere eingekreist oder einzelnen Räubern zugejagt werden können. Das würde sogar das Manko geringerer Geschwindigkeit gegenüber kleinerer und schnellerer Beute zu einem gewissen Maße ausgleichen. Zudem deuten auch bei ganz anderen großen Raubsauriern fossile Reste darauf hin, dass sie in Gruppen lebten, etwa bei Giganotosaurus. Möglicherweise diente der Zusammenschluss zu Rudeln bei großen Theropoden sogar dazu ansonsten für Einzeltiere unüberwältigbares Großwild zu jagen, etwa Sauropoden. Bei Löwen kennt man das Phänomen dass manche großen Rudel regelmäßig ausgewachsene Elefanten töten, etwa aus dem Savuti. Zwar zieht sich das Töten in einem solchen Fall über einen langen Zeitraum, und oft sind die zu Boden gerungenen Elefanten noch eine ganze Weile am Leben wenn die ersten Löwen anfangen an ihnen herumzufressen, aber selbst bei einer großen Kopfzahl ist einem Löwenrudel bei einer solch gewaltigen Beute für einen langen Zeitraum die Nahrung gesichert. Im Falle der Tyrannosaurier scheinen kleinere Beutetiere wie etwa Hadrosaurier den Großteil der Beute ausgemacht zu haben, aber zumindest bei dem viel früher lebenden Giganotosaurus könnte es durchaus häufiger zu Makroprädationen gekommen zu sein, da sie ihren Lebensraum mit riesigen Sauropoden teilten.

Die fossilen Überreste von pflanzenfressenden Dinosauriern bei denen Zahnspuren von Tyrannosauriern an Stellen gefunden wurden, wo bei einem Kadaver das letzte Fleisch hängen bleibt, sind ebenfalls nicht viel wert für eine Argumentation gegen eine jagende Lebensweise. Zunächst einmal sind praktisch alle Raubtiere Opportunisten, die bei sich bietenden Gelegenheiten auch Aas fressen, und insofern wären einzelne Indizien für das Fressen von Kadavern kein Beweis für einen spezialisierten Aasfresser. Wenn ein Wolf oder ein Löwe Hunger hat, und einen abgefressenen Kadaver findet, dann gibt er sich auch mit den letzten Resten zufrieden. Außerdem wird hier völlig vergessen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum ein großes Raubtier nicht so lange am Kadaver einer erlegten Beute bleiben soll, bis alles verwertbare davon abgefressen ist. Ein Tiger wird in der Regel auch so lange an einem Kadaver bleiben, bis er alles ihm zugängliche Fleisch davon gefressen hat, bevor er sich wieder auf die Jagd begeben muss. Auch ein Wolfsrudel wird üblicherweise so lange an einem Kadaver bleiben, bis nichts mehr verwertbares davon übrig ist. Da Tyrannosaurus das größtes Raubtier in seinem Habitat gewesen ist, konnte er auch nicht von anderen Raubtieren von seiner Beute verjagt werden, so dass er bis zum Schluss daran fressen konnte.

Jack Horner geht desweiteren davon aus, dass T-rex sein gewaltigen Kiefer dazu nutzte, um Knochen aufzubrechen, und so Kadaver möglichst gut zu verwerten. Zunächst einmal muss gesagt werden, dass ein kräftiges Gebiss, und auch die Möglichkeit Knochen zu zerbeißen, keineswegs bedeuten muss, dass ein Tier auch tatsächlich ein spezialisierter Aasfresser ist. Sowohl Wölfe als auch Hyänen sind in der Lage teilweise noch sehr große Knochen aufzubrechen oder sogar gänzlich aufzufressen, das bedeutet aber keineswegs, dass sie deshalb Aasfresser sind. Hyänen galten lange Zeit als feige Aasfresser, die darauf warten, dass “echte” Jäger wie Löwen ihnen die Reste ihrer Beute überlassen. Die Wahrheit ist, dass gerade die oft als typische Aasfresser verschrienen Tüpfelhyänen höchst effiziente Jäger sind, die auch so wehrhafte Beute wie ausgewachsene Zebras überwältigen. Studien haben sogar gezeigt, dass sie keineswegs nur kranke und schwache Beutetiere töten, sondern im Gegenteil die allermeisten ihrer Beutetiere in bester körperlicher Verfassung sind. Einen Kadaver bis auf den letzten Rest verwerten zu können, kann auch einem Jäger sehr hilfreich sein. Der Beutelwolf beispielsweise war auch in der Lage auch große Beutetiere restlos aufzufressen, und selbst sperrige Knochen wie Schafschädel zerbiss er mühelos. Auch er war kein Aasfresser.

Betrachtet man einmal die Tiere mit der höchsten Beißkraft überhaupt, nämlich Krokodile und Alligatoren, dann fällt auch auf dass diese ihre enormen Kieferkräfte auch ausschließlich zum Töten und zerteilen ihrer Beute nutzen, und nicht etwa um große Knochen damit zu knacken oder alte Kadaver zu zerreißen. Betrachtet man einmal andere Tiere, die ebenfalls in der Lage sind Kadaver sehr effizient zu verwerten, so fällt auf dass nicht einmal besonders kräftige Kiefer oder Knochen-zermalmende Zähne nötig sind. Komodowarane können selbst die Körper so großer Tiere wie Wasserbüffel innerhalb kürzester Zeit bis auf die allerletzten Reste verschlingen, und mit Ausnahme von keratinösen Bestandteilen wie Hufen oder Haaren auch fast vollständig verdauen. Ihre Zähne ähneln stark denen von Theropoden, und sie benutzen sie vor allem dazu, um Teile aus großen Beutetieren herauszureißen, die dann unzerkaut heruntergeschlungen werden, ganz ähnlich wie bei Krokodilen. Auch viele Geier sind in der Lage selbst noch große und sperrige Knochen zu verschlingen und zu verdauen, sie haben es nicht nötig sie vorher aufzubrechen, und selbst normale Greifvögel können teilweise noch selbst sehr große Fleischstücke mitsamt den Knochen herunterwürgen. Außerdem zeigen die Fossilien von Pflanzenfressern mit Zahnspuren von Tyrannosauriern zwar durchaus dass sie ihre Zähne in massive Knochen schlagen konnten, für ein wirkliches Aufbrechen von Knochen, wie es etwa Hyänen oder Wölfe machen, habe ich aber noch nirgend Hinweise gesehen. In ihrer Anatomie standen Tyrannosaurier irgendwo zwischen Krokodilen und Greifvögeln, und es erscheint relativ logisch anzunehmen, dass sie auch recht große Teile ihrer Beute mitsamt kleineren Knochen herunterschlingen konnte, und ihre Magensäure die eigentliche Arbeit machen ließen. Zumindest von Baryonyx weiß man dass er nicht nur Fleisch von den Knochen abfraß, sondern diese teilweise gleich mit verschluckte. Ein Raubtier muss im Zweifelsfall also nicht einmal knochenbrechende Kiefer haben um einen Kadaver restlos nutzen zu können, sofern es in der Lage ist große Stücke herauszureißen und herunterzuschlingen. Außerdem muss die Fähigkeit auch Knochen fressen zu können, in keinerlei Kontrast zu einer jagenden Lebensweise stehen.

Neben den schon genannten Gründen die gegen die von Horner vorgebrachten “Argumente” für eine rein aasfressende Lebensweise sprechen, gibt es noch einige andere. Zum einen gibt es Spuren von verheilten Bissverletzungen an den Skeletten von Hadrosaurier und einem Triceratops, welche von Tyrannosaurierns stammten. Die Tiere wurden also angegriffen und konnten entkommen, was klar zeigt dass sie gejagt wurden. Zudem zeigen die Funde von Hadrosauriern und Triceratopsen, die zu etwa gleichen Mengen in den Gebieten vorkamen wie Tyrannosaurier, dass die Skelette der vergleichsweise harmlosen Hadrosaurier sehr oft Bissspuren von Tyrannosauriern zeigen, jene der wehrhaften Triceratopse aber vergleichsweise selten, was auf eine selektive Jagd auf leichte Beutetiere hindeutet. Wäre T-rex tatsächlich ein spezialisierter Aasfresser gewesen, so hätte man auch an viel mehr Triceratops-Knochen seine Zahnspuren gefunden.

Aber noch etwas ganz anderes spricht dagegen dass Tyrannosaurus oder irgend ein anderes Großtier sich jemals zu einem reinen Aasfresser entwickelte. Leider scheinen viele Paläontologen davon auszugehen, dass in jedem Ökosystem für Populationen von Raubtieren jeglicher Größe genug Aas herum liegt. Das ist aber keineswegs so, andernfalls würde es auch sicher heute noch auf Aas spezialisierte Fleischfresser geben, was aber nicht so ist. Die einzigen Tiere die zu einem wirklich großen Teil von Aas leben können, sind Geier, da diese durch den Segelflug in der Lage sind, mit minimalen Energieaufwand riesige Gebiete abzusuchen, was einem terrestrischen Fleischfresser niemals möglich wäre, außerdem sind sind insgesamt doch relativ klein, und haben nur einen vergleichsweise geringen Kalorienbedarf. Tyrannosaurier waren obendrein enorm groß, und ihr Energiebedarf entsprechend hoch. Sie müßten ein riesiges Revier besitzen, um als reine Aasfresser genügend Nahrung zu finden. Aufgrund der langen Strecken zwischen einzelnen Kadavern würde in der Regel das allermeiste sowieso schon von anderen Räubern abgefressen sein, sofern überhaupt noch etwas übrig blieb. Kadaver wirklich großer Tiere sind in jedem Ökosystems sehr selten, und jene kleinerer Tiere können in der Regel auch von kleineren Raubtieren sehr schnell effizient verwertet werden. Und selbst die Kadaver kleiner Tiere fallen nicht sonderlich oft an, da sie in aller Regel eher im geschwächten Zustand Raubtieren zum Opfer fallen, als dass sie an einer Krankheit sterben oder gar an Altersschwäche zugrunde gehen. Eine Gruppe von Tyrannosauriern, die zusammen auf ein Gewicht von über 20 Tonnen kamen, können unmöglich alleine davon gelebt haben, dass sie herumliegendes Aas fraßen, oder anderen Räubern die Beute abjagten. Das ist ein weiteres Problem, denn Tyrannosaurus war zu seiner Zeit das mit Abstand größte Raubtier in seinem Lebensraum, es gab keine anderen großen Jäger, die regelmäßig für einen Nachschub an frischen Kadavern gesorgt hätten.

Betrachtet man einmal die extrem wildreichen Savannen Afrikas, so fällt auf dass die dorten Löwen vergleichsweise oft Aas fressen, das sie nicht selten kleineren Raubtieren wie Hyänen, Leoparden oder Geparden abgejagt haben. Sie sind die größten dortigen Raubtiere, und in Gruppen allen anderen Jägern an Stärke überlegen. Warum legen sie sich dann nicht auch einfach auf die faule Haut und fressen nur das was sie anderen Raubtieren abjagen können? Schlicht und einfach weil es nicht reicht. Selbst kaltblütige Fleischfresser wie Komodowarane, die nicht nur in der Lage sind Kadaver restlos aufzufressen, sondern sie mit ihrem feinen Geruchssinn über weite Strecken wittern können, sind nicht in der Lage allein von toten Tieren zu leben. Selbst Geier sind nicht nur passive Aasfresser, sondern gehen jahreszeitlich bedingt auch selbst auf die Jagd wenn sie nicht genug Kadaver finden, wobei sie teilweise sogar in der Lage sind recht große und schnelle Beutetiere zu überwältigen. Wäre T-rex tatsächlich wie von Horner postuliert, ein jagdunfähiger und auf Aas angewiesenes Tier gewesen, dann wäre er innerhalb kürzester Zeit ausgestorben. Ein Raubtier das nicht in der Lage ist auch selbst zu jagen, ist vor allem in Zeiten in denen Nahrung ohnehin schon knapp ist, vollkommen aufgeschmissen. Zwar geht kaum ein Raubtier an einem Kadaver vorbei (die einzigen Ausnahmen wären hier Geparden), oder unterläßt eine Gelegenheit einem schwächeren Raubtier die Beute abzujagen, da das schließlich viel einfacher ist als selbst die Gefahren und Anstrengungen einer Jagd einzugehen, aber auf Dauer funktioniert das einfach nicht. Praktisch alle größeren Raubtiere sind Opportunisten, egal ob es sich um Raubkatzen, Hyänen, Greifvögel oder Warane handelt, die sehr wohl in der Lage sind, selbst zu jagen, aber auch nicht die Gelegenheit auslassen, Fleisch von Tieren zu fressen, die sie nicht selbst getötet haben. Aasfresser sind sie deshalb noch lange nicht, und auch bei den ausgestorbenen Raubtieren wird das nicht viel anders gewesen sein. Betrachtet man einmal das Jagd-und Fressverhalten moderner Raubtiere, dann fällt auf dass der Anteil von Aas und selbst geschlagener Beute teilweise selbst innerhalb einer Art sehr stark variieren kann, da sich die Tiere den jeweiligen Begebenheiten anpassen. Die Tüpfelhyänen im Ngorongoro-Krater jagen 90% ihrer Nahrung selbst, in manchen anderen Gebieten sind es weniger als 50%. Das sind recht drastische Unterschiede innerhalb ein und derselben Art. Auch bei Löwen schwankt der Anteil von Aas und selbst gejagten Beutetiere teilweise sehr stark. Aber weder bei Hyänen noch bei Löwen bedeutet ein hoher Aas-Anteil in der Nahrung tatsächlich dass sie nicht jagen können. Gerade Raubkatzen gelten als Archetypen erfolgreicher Jäger, und kaum jemand käme auf die Idee sie als Aasfresser abzustempeln, nur weil sie auch das Fleisch von nicht selbst erlegten Tieren fressen. Das ist zwar praktisch, wenn die Möglichkeit dazu besteht, aber rein prinzipiell muss ein Raubtier in der Lage sein praktisch vollständig von selbst gejagten Tieren zu leben, selbst wenn in zu manchen Jahreszeiten Aas unter Umständen zu einem wichtigen Nahrungsbestandteil werden kann.

Tyrannosaurus werden wie praktisch jedes andere Raubtier auch bei Gelegenheit Aas gefressen haben, oder anderen Raubsauriern die Beute gestohlen haben, aber nichtsdestotrotz müssen sie auch äußerst effiziente Jäger gewesen sein, sonst hätten sie auch niemals derartig gewaltige Größen erreicht. Über den Anteil an selbsterjagter Beute und Aas am Gesamtfleischkonsum kann man auch keinerlei Pauschalaussagen machen. Die Beispiele von den Löwen und Hyänen zeigen das recht gut, und man kann wahrscheinlich beinahe auch mit Garantie sagen, dass der Anteil von Aas in der Nahrung bei Tyrannosauriern geographischen und jahreszeitlichen Schwankungen unterlegen war. Bei genauer Betrachtung zeigt sich aber dass es kein einziges stichhaltiges Indiz dafür gibt, dass Tyrannosaurier oder andere ausgestorbene Raubtiere professionelle Aasfresser gewesen sind.

Die teuflischen Mäusespuren von Devon

Donnerstag, Juni 14th, 2007

In der Nacht von 8. auf den 9. Februar 1855 soll in einigen Gemeinden in England der Leibhaftige umgegangen sein. Nach dem starken Schneefall vom 8. Februar fand man am nächsten Morgen im Gebiet von Exeter und Süd-Devon beinahe überall seltsame Spuren im Schnee, die Hufabdrücken glichen. Sie verliefen in schnurgeraden Linien, mit einer Spanne von etwa 20 cm von Abdruck zu Abdruck. Die Spuren selbst waren 38-63 Millimeter groß, und ähneltem einen ovalen, hinten offenem Huf. Bei einigen Abdrücken schien der vermeintliche Huf auch vorne gespalten zu sein, und auch einige erhaltene Zeichnungen der Abdrücke zeigen eine recht große Variabilität derselben.

Ungewöhnlich war aber nicht nur die Form der Verlauf der Spuren, sondern auch dass man sie praktisch überall fand, auf Feldern, Mauern, Fensterbänken, Gärten und sogar von Mauern umgebenen Höfen. Manche Spuren sollen sogar einfach aufgehört haben, als habe sich der Verursacher in Luft aufgelöst, während andere scheinbar durch Abflussrohre und kleine Löcher in Hecken führten.  Die unzähligen Fährten in den verschiedenen Gemeinden müssen insgesamt mehrere Kilometer lang gewesen sein.

Für viele der damaligen Menschen war die Sache klar, hier konnte es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, und das Wesen dass diese Spuren hinterlassen hatte, mußte zweifellos der Hölle selbst entstiegen sein. Darum findet dieses Phänomen auch oftmals Erwähnung unter der Bezeichnung “Teufelsspuren von Devon”. Die an winzige Hufeisen erinnernden Spuren, die scheinbare Fähigkeit über Dächer zu fliegen, durch Wände zu gehen oder gar völlig zu verschwinden, waren vielen Leuten äußerst unheimlich.

Etwas bodenständigere, und um rationalere Erklärungen bemühte Personen versuchten eine weniger mysteriöse Erklärung zu finden. Es wurde behauptet, dass alles nur ein Schwindel sei, und die Spuren mit Hilfe eines heißen Metallgegenstandes in den Schnee gerückt worden, dass sie von Fischottern, Dachsen, Hunden, Katzen, Eseln oder sogar einer bisher unbekannten Albatrossart stammten, aber keine dieser Erklärungsversuche schien wirklich plausibel. In vielen Fällen wird auch heute noch bei der Behandlung der Teufelsspuren von Devon das Vorkommnis stark mystifiziert.

Allerdings gibt es für all jene Spuren eine ausgesprochen einfache, und alles erklärende Lösung. Wie Karl Shuker schon in “Der Weltatlas der rätselhaften Phänomene” schrieb, stammten die seltsamen Spuren mit größter Wahrscheinlichkeit von Waldmäusen, die durch besonders grimmige Kälte getrieben, nachts in den Dörfern nach Nahrung suchten. Waldmäuse bewegen sich im Schnee springend fort, dabei formen sie an kleine Hufabdrücke erinnernde Spuren im Schnee. Da sie nicht immer gleich landen, sehen diese auch nicht alle gleich aus, und sind manchmal vorne offen. Zudem erklärt dies nicht nur den geringen Abstand zwischen den Spuren, sondern auch die gerade Spur. Während bei einem Zweibeiner die Spuren seitlich immer etwas versetzt sind, liegen Spuren der springenden Waldmaus immer genau hintereinander. Da diese Tiere auf offenen Flächen sehr gefährdet sind, versuchen sie diese auch möglichst schnell zu überqueren, was zur Folge hat, dass die Spuren in sehr geraden Linien liegen können. Die Fälle in denen Spuren abrupt aufhörten, läßt sich sehr einfach damit erklären, dass die Mäuse von Eulen gefangen wurden. Auch die Durchquerung von Rohren und kleinen Ritzen, sowie das Überwinden von Mauern und Dächern ergeben so einen Sinn, denn Waldmäuse sind sehr geschickte Kletterer, und können sich auch durch enge Gänge und Öffnungen zwängen.

Hier ein Bild einer Waldmaus, das ich vor ein paar Wochen beim Spazierengehen aufgenommen habe:

Waldmaus

Da ich vorletzten Winter im Wald Spuren gefunden habe, die den Beschreibungen und Darstellungen der “Teufelsspuren” exakt glichen, und genauso aussahen, als stammten sie von kleinen Hufen, kann ich diese Theorie nur bekräftigen. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Photoapperat zur Hand, wie so oft wenn man etwas interessantes photographieren möchte.

Nun kann man sich auch fragen warum damals scheinbar nicht schon jemand auf diese Idee gekommen ist. Zum einen kann dies durchaus der Fall sein, ohne dass dies überliefert wurde, während die skurilen und wenig einleuchtenden Erklärungsversuche ihren Weg in die Aufzeichnungen fanden. Vielleicht war das sogar ganz bewußt, denn nicht anders als heute werden gewiefte Journalisten auch schon früher enthüllende Erklärungen ihren Lesern verschwiegen haben, um die ganze Angelegenheit mysteriöser zu machen. Niemand interessiert sich für Mäusespuren im Schnee, dem gesunden Menschenverstand trotzende Teufelsspuren dagegen schon.

Zudem macht man sicht heute oftmals gar nicht mehr klar, wie abergläubisch die Bevölkerung früher gewesen ist. Dies fällt vor allem auf wenn man zeitgenössische Literatur aus dem 19. Jahrhundert liest. Viele Menschen waren damals oft auf eine unglaublich naive Weise abergläubisch, und der Teufel oder böse Mächte wurden von vielen hinter jedem Missgeschick und jedem Rätsel vermutet. Tatsächlich sind in vielen Gegenden der Welt die Menschen selbst heute noch so abergläubisch, sei es nun in Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens, und es verwundert nicht dass man im 19. Jahrhundert hinter seltsamen Spuren im Schnee infernalische Mächte am Wallen vermutete. Vielleicht erschien vielen eine natürliche Erklärung sogar einfach zu banal um wahr zu sein. Besonders im Internet stößt man immer wieder darauf, dass sich viele Menschen nicht mit einfachen, logischen und an sich gut nachzuvollziehenden Erklärungen abfinden wollen, und statt dessen lieber verworrenen Gedankenkonstrukten hinterher laufen, egal wie oft man sie widerlegt.

Hatte Spinosaurus wirklich ein Segel auf dem Rücken?

Montag, Juni 11th, 2007

Spätestens seit dem teilweise ziemlich schwachen “Jurassic Park 3″ dürfte Spinosaurus den meisten ein Begriff sein. In jüngster Zeit erhielt er zusätzliche Furore, da man aufgrund neuerer Funde inzwischen davon ausgeht, dass Längen von über 17m erreichen konnte, und damit größer war als alle anderen bekannten Landraubtiere. Das Erscheinungsbild des Spinosaurus hat sich in den letzten Jahren recht stark gewandelt. Wurde er in älteren Büchern noch in der Regel als typischer Carnosauier mit großem bulligen Kopf und normalen, wenngleich auch etwas großen Armen dargestellt, weiß man inzwischen dass er in vieler Hinsicht anders war. Neuere Bilder, die auf den tatsächlichen Schädelproportionen basieren, zeigen ihn mit mit einem langen und relativ schmalen Schädel, und einer langen Schnauze, mit einer deutlichen Einkerbung an der Spitze. Zudem hatte Spinosaurus auch einen kleinen Knochenbuckel auf der Stirn vor den Augen, was in älteren Darstellungen auch nicht berücksichtigt wurde (und woraus in JP3 zwei Buckel gemacht wurden).Auch die Hände werden nun in aller Regel so gezeigt, wie sie bei seinen Verwandten aussahen, nämlich mit einer übergroßen kräftigen Daumenklaue.

Was praktisch immer noch unverändert geblieben ist, ist das große Segel das auf dem Rücken trohnt. Diese Darstellung ist so weit verbreitet und so allgemein akzeptiert, dass es beinahe ketzerisch anmutet, wenn man davon ausgeht, dass Spinosaurus überhaupt kein Segel hatte.

Die Frage ist nun natürlich, warum Spinosaurus kein Segel gehabt haben soll. Um das zu beantworten, muss man erst einmal etwas mehr auf die Anatomie des Spinosaurus eingehen. Die Rückenwirbel des Spinosaurus besaßen wie jene praktisch aller anderer Wirbeltiere nach oben weißende Dornfortsätze. Allerdings waren diese teilweise ganz enorm verlängert, und dürften bei den größten Exemplaren teilweise über zwei Meter lang gewesen sein. Diese extrem verlängerten Dornfortsätze führten zu der Annahme, dass sie ein dünnes Segel bildeten. Hier muss man nun eigentlich auch fragen, warum Spinosaurus überhaupt ein Segel gehabt haben soll. Sind derartig verlängerte Wirbelausläufer tatsächlich ein Beweis dafür, dass ein Tier eine Art Rückensegel besaß? Der Grund warum bei Spinosaurus (und anderen) allgemein davon ausgegangen wird, dass er ein Segel hatte, geht vor allem auf hausgemachte Vorurteile zurück. Spinosaurus war ein Reptil, und daher hatten die Leute die ihn untersuchten wohl eher die mit allerlei schuppigen Hautlappen, Stachelschuppen und in einigen ganz wenigen Fällen auch mit Rückenkämmen ausgestatteten Echsen im Hinterkopf, als sie ihn rekonstruieren wollten. Daher mußten diese seltsamen Wirbel ganz einfach Haut aufgespannt, und einen archaisch bizarren Rückenschmuck gebildet haben, etwas anderes wäre bei einem Reptil ganz undenkbar…

Bevor ich genauer auf die eigentlichen Rückenwirbel eingehe, möchte ich noch etwas über die verschiedenen Schlussfolgerungen schreiben, die von dieser Segelvorstellung ausgingen. Eine weit verbreitete Vorstellung geht davon aus, dass der Spinosaurus dieses Segel benutzte, um seine Körperoberfläche zu vergrößern, damit er sich in der Sonne schneller aufwärmte. Diese Idee geht von einigen falschen Grundlagen aus. Zum einen ist es inzwischen ziemlich gesichert, dass Dinosaurier mehr oder weniger warmblütig gewesen sind, und daher von externen Wärmequellen relativ unabhängig waren. Zum anderen war Spinosaurus ein wirklich gewaltiges Tier, das wahrscheinlich ein Gewicht von über neun Tonnen erreichte. Für ein Wesen dieser Größe ist es schlicht unmöglich sich alleine durch Sonnenwärme aufzuwärmen, da die Körperoberfläche (selbst wenn sie durch ein Segel vergrößert wäre) im Vergleich zur Körpermasse viel zu gering wäre. Schon unter den heutigen Reptilien benötigen die größten unter ihnen teilweise stundenlange Sonnenbäder um auf eine entsprechende Körpertemperatur zu kommen. Genau genommen gibt es bei sehr großen Tieren in der Regel kaum Probleme mit Unterkühlung, die durch Stoffwechselprozesse im Körper gebildete Wärme kann durch die verhältnissmäßig geringe Körperoberfläche nur geringfügig verloren gehen. Daher ist nicht Unterkühlung, sondern Überhitzung ein Problem. Elefanten etwa haben darum riesige, gut durchblutete Ohren, über die sie überschüssige Wärme an die Umgebung abgeben können. Insofern hätte ein Segel wenn überhaupt als Wärmeableiter einen Sinn gehabt. Da Spinosaurus aber in einer Landschaft lebte, in der es viel Wasser gab, hätte er sich auch ganz einfach abkühlen können, indem er bei zu großer Hitze ab und zu mal ein Bad nahm. Außerdem hatten andere große Theropoden wie Giganotosaurus oder auch T-rex kein solches “Luxusorgan” und hatten daher allem Anschein nach andere Möglichkeiten, einer Überhitzung entgegen zu wirken. Ob sich daher wirklich ein so aufwendiges Organ entwickelte um eine thermoregulierende Rolle zu spielen, obwohl es sicherlich auch wenige aufwändige Alternativen gab, ist also eher fraglich.

Eine andere, ebenfalls weit verbreitete Vorstellung ist jene, dass ein solches Rückensegel eine Rolle in der innerartlichen Kommunikation gespielt hat, und vielleicht etwa bei den Männchen zur gegenseitigen Einschüchterung diente. Um das genauer sagen zu können, bräuchte man eigentlich genauere Informationen, etwa ob alle Spinosaurier solche langen Wirbelausläufer hatten, oder womöglich nur Männchen. Bisher ist aber noch keine ohne bekannt. Zudem erscheint es nicht allzu plausibel dass ein großer Fleischfresser ein derartig großes und in physiologischen Sinne teuer erkauftes Merkmal auszubilden.

Unabhängig der verschiedenen Spekulationen über den Sinn eines solchen Segels, wurde es auch des öfteren als Argument herangezogen, um zu zeigen dass Spinosaurus ein Aasfresser gewesen sein soll, da es viel zu verletztlich gewesen sein soll, als das er damit auf die Jagd gegangen sein kann. Zudem wurden die geraden Zähne als Indiz dafür gesehen, dass er das Fleisch verwesender Kadaver fraß. Die Vorstellung eines jagdunfähigen neun Tonnen schweren Kolosses, der durch die Gegend stampft und nach verfaulten Fleisch sucht, ist zugegebenerweise ziemlich absurd. Kein Ökosystem kann ständig derartige Massen an frei zugänglichen Kadavern liefern, um eine ganze Population solcher Monster zu ernähren. Inzwischen geht man aufgrund von Vergleichen mit verwandten Arten wie Baryonyx oder Suchomimus eher davon aus, dass Spinosauriden eine gewisse Spezialisierung auf den Fang großer Fische zeigten, die sie zusammen mit den kräftigen Daumenkrallen und den langen schmallen Schnauzen, und den geraden krokodilähnlichen Zähnen erbeuteten. Im Gegensatz zu verwandten Arten wie Suchomimus waren die Zähne allerdings weniger zahlreich und die Kiefer stärker, was wohl auf eine etwas ausgewogenere Nahrung hindeutet, die öfters auch Landtiere miteinschloss. Seltsamerweise wurde dies teilweise als Argument für eine Aasfresserlebensweise benutzt.

Aber zurück zu dem Rücken. Spinosaurus wird oft in einem Atemzug mit dem permischen Reptil Dimetrodon und manchmal auch Edaphosaurus genannt, und behauptet, dass es sich bei ihren Wirbelausläufern um parallele Entwicklungen handelte. Betrachtet man aber einmal die Dornfortsätze von diesen Tieren genauer, so fällt auf, dass sie gänzlich anders sind als die von Spinosaurus. Das einzige was gleich ist, ist dass es sich um Dornfortsätze der Rückenwirbel handelt, und dass diese ziemlich lang sind. Allerdings sind sie bei Dimetrodon und Edaphosaurus ziemlich dünn, und im Querschnitt beinahe kreisrund, bei Edaphosaurus weise sie sogar noch in Reihen angeordnete seitliche Ausläufer. Bei diesen Tieren ist es durchaus gut möglich dass zwischen diesen runden Ausläufern Haut gespannt war, die womöglich bei einer schnelleren Erhöhung der Körpertemperatur diente. Bei der doch relativ geringen Größe dieser höchstwahrscheinlich noch wechselwarmen Tiere hätte ein solches Segel einen deutlichen Vorteil erbracht, wenn es darum ging morgens vermehrt Wärme aufzutanken, und so den Tag länger aktiv nutzen zu können. Aber auch für diese allgemein geäußerte These gibt es an sich keine echten Beweise, vielleicht spielten die Segel bei diesen Tieren eine Rolle im Sozialverhalten, oder hatten sogar noch andere Funktionen. 

Bei diesem Dimetrodon-Skelett aus der Schausammlung des Paläontologischen Instituts in Tübingen sieht man sehr gut, dass die Dornfortsätze von Dimetrodon ausgesprochen dünn, und von beinahe rundem Querschnitt waren, ganz anders als jene von Spinosaurus.

Dimetrodon-Skelett

 Die Dornfortsätze bei Spinosaurus sahen dagegen ganz anders aus. Genau genommen waren sie beinahe identisch mit ganz normalen Dornfortsätzen, nur dass sie eben deutlich länger, und oben etwas verbreitert waren. Im Gegensatz zu Dimetrodons Dornfortsätzen waren sie nicht rund im Querschnitt, sondern seitlich abgeflacht, und viel länger als breit, und an der Vorder-und Hinterkante etwas verdickt. Normalerweise dienen solche Dornfortsätze als Ansatzstellen für Muskeln. Zum einen spannen sich zwischen ihnen Muskeln, welche die Wirbelsäule kräftigen, zum anderen dienen sie seitlichen Muskeln als Halt. Betrachtet man die Dornfortsätze von Spinosaurus einmal ganz unvoreingenommen und versucht die ganzen mehr oder weniger liebgewonnenen Bilder eines Rückensegels aus dem Kopf zu verbannen, so gibt es eigentlich keine Indikation dafür, dass sich über sie nur Haut spannte. Wenn die Dornfortsätze einfach nur sehr lang waren, ist es an sich naheliegend dass auch die an ihnen ansetzenden Muskeln ensprechend weit nach oben reichten. Das ist nun auch keineswegs reine Spekulation, denn ganz ähnliche Dornfortsätze sind von anderen Tieren gut gekannt.

Unter den Rindern gibt es einige große Arten welche einen sehr stark ausgebildeten Rückenbuckel besitzen, insbesondere Bisons und Wisente, aber auch die asiatischen Gaur haben einen solchen. Dabei handelt es sich um Rückenmuskeln, die an den stark verlängerten Dornfortsätzen der Wirbelkörper sitzen. Der Schulterhücker der Zebus dagegen hat keine knöcherne Stütze und besteht ausschließlich aus dem stark vergrößerten Musculus rhomboideus. Bei dem ausgestorbenen Riesenbison Bison antiquus erreichten diese Ausläufer der Wirbel sogar Proportionen, die durchaus mit denen von Spinosaurus vergleichbar sind. Allerdings käme wohl kein Mensch darauf, dass diese ausgestorbenen Rinde eine Art Rücksegel besaßen, sondern dass der schon bei ihren noch lebenden Verwandten vorhandene Schulter-oder Rückenbuckel einfach in ganz extremer Weise ausgeprägt war. In ihren Proportionen sind sich die Dornfortsätze von Spinosaurus und “buckeligen” Huftieren äußerst ähnlich, und es scheint sehr wahrscheinlich dass auch Spinosaurus keine nur von Haut bedeckten Knochen auf dem Rücken hatte, sondern dass auch bei ihm die Rückenmuskulatur bis an die Spitzen der Dornfortsätze reichten. Wieviel Muskelmasse dann tatsächlich über diesen Knochen gewesen wäre, ist allerdings schwer zu sagen. Betrachtet man etwa heutige Bisons oder Gaur, so fällt auf dass ihr Buckel eigentlich gar nicht einmal besonders breit ist, und nach oben hin immer schmaler wird. Man dürfte sich einen Spinosaurus mit einem muskelbedeckten “Segel” also nicht als eine Art prähistorische Glöckner von Notre-Damme vorstellen, sondern eher dahingehen, dass sein Rücken nach ober gehend im Querschnitt wie ein umgedrehtes schmales V ausgesehen hat.

 Bei diesem Skelett einer ausgestorbenen Wisentart, welches ich im Naturhistorischen Museum Wien aufgenommen habe, sieht man sehr gut die massive Verlängerung der Dornfortsätze. Diese Dornfortsätze sind nicht wie bei Dimetrodon dünn und mit runden Querschnitt, sondern deutlich länger als breit, und obendrein an der Spitze breiter als an der Basis, so dass die Muskeln des Rückens einen guten Ansatz finden.

Wisen-Skelett

Auf diesem, leider nicht allzu gut gewordenen Bild zweier Bisons aus dem Schönbrunner Zoo sieht man den Rückenbuckel am lebenden Tier. Durch das dicke Fell sieht er voluminöser aus als er eigentlich ist, aber bei dem Bison auf der linken Seite, sieht man ganz gut, dass es sich hierbei nicht um einen massiven “Quasimodo-Buckel” handelt, sondern dass er verhältnissmäßig schmal ist, und über den Schulter im Questschnitt wie ein stumpfes Dreieck ausläuft.

Bisons

Wenn aber Spinosaurus nun tatsächliche eine Art Büffelrücken hatte, wozu brauchte er ihn dann? Zugegebenerweise habe ich darauf auch noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden, aber das waren die Erklärungsversuche für ein Segel auch nicht. Falls Spinosaurus tatsächlich in Sumpfgebieten lebte, und in gebückter Haltung nach großen Fischen jagte, wäre ein solcher Rücken möglicherweise wie eine Art Stütze denkbar. Es wurde auch schon vermutet, dass sie eine Art Fetthöcker stützten, aber das ist wenig wahrscheinlich. Die einzigen lebenden Tiere mit Fetthöckern sind Dromedare und Kamele, wobei bei diesen die Höcker keinerlei Stütze durch die Wirbelsäule haben, während sich bei den buckeltragenden Rinderarten eigentlich keine größeren Fettansammlungen an diesen Stellen befinden. Um Fett zu tragen, benötigt es keiner besonderen Knochen um es zu stützen, bei Muskeln dagegen schon. Auch bei dem Riesenhirsch Megaloceros wurde schon spekuliert seine verlängerten Dornfortsätze an der Schulter hätten einen Fetthöcker getragen, viel wahrscheinlicher ist aber dass die an ihm sitzenden Muskel und Bänder ähnlich wie bei Elchen und anderen Tiere mit schweren Köpfen oder Hälsen als zusätzliche Stütze dienten.

Neben Spinosaurus gab es auch andere ausgestorbene Reptilien welche anatomisch ähnliche verlängerte Dornfortsätze hatten, etwa sein etwas kleinerer Verwandter Suchomimus, bei dem sie allerdings noch deutlich kürzer waren. Auch Ouranosaurus, ein Ornithopode, hatte sehr stark verlängerte Dornfortsätze, die allgemein als Segel gedeutet werden, aber wohl auch eher wie bei Büffeln als Muskelansätze gedient haben, zumal sie wie bei ihnen ihr Zentrum über den Vorderbeinen hatten. Ouranosaurus hatte zudem noch waagrecht verlaufende verknöcherte Sehnen auf den Dornfortsätzen, was allein schon zeigt, dass er kein dünnes Segel gehabt haben kann, sondern einen zumindest einigermaßen dicken Rückenkamm, vergleichbar einem Riesenbison. Daneben gab es auch den relativ kleinen Archosaurier Arizonasaurus, dessen Rückenkamm sein Zentrum ähnlich wie Spinosaurus weiter hinten hatte.

Nach ausgiebiger Betrachtung dieses Themas, insbesondere nach dem Vergleich mit den anatomischen Begebenheiten anderer Tiere, kann ich ehrlich gesagt nicht mehr glauben, dass Spinosaurus und Arten mit vergleichbaren Dornfortsätzen an den Wirbeln tatsächlich häutige Segel besaßen. In der Paläontologie ist leider ziemlich viel auf Mutmaßungen und Spekulationen basierend, weshalb viele ausgestorbene Tiere im Laufe der Zeit ihr Aussehen in Büchern auch stark verändert haben. Vielfach wurden auch Dinge rekonstruiert, ohne wirklich genau nachgeprüft zu haben, ob es überhaupt realistisch ist. Darum sehen wir immer noch in manchen Büchern aufrecht laufende Tyrannosaurier, die sich auf ihrem Schwanz aufzstützen, oder Sauropoden die ihren Hals in Schwanenmanier verkrümmen. Leider ist es manchmal ziemlich schwierig neue Vorstellungen anzunehmen, und alte abzugeben, weshalb sich neue Ideen oft nur sehr langsam einigermaßen etablieren können. Über Jahrzehnte ging man einfach mal davon aus dass die Ausläufer an den Wirbeln des Spinosaurus ein Segel gespannt haben müssen, und debatierte erhitzt über den Zweck eines solchen Segels. Bis sich aber tatsächlich jemand einmal fragte, ob ein solches Tier nun überhaupt zwingend ein Segel gehabt haben muss (oder kann), ist ziemlich viel Zeit vergangen.

Quellen:

Jack Bowman Bailey

Neural spine elongation in dinosaurs; sailbacks or buffalo-backs?

Western Illinois University, Department of Geology, Macomb, IL, United States

Angebliche Aasfresser Teil 1: Dilophosaurus

Mittwoch, Juni 6th, 2007

Dilophosaurus aus Jurassic Park - fälschlicherweise ohne Kerbe im Oberkiefer 

Wenn man sich mit paleontologischer Literatur befaßt, dann fällt auf dass eine ganze Menge ausgestorbener Fleischfresser als Aasfresser abgestempelt werden. Die Argumentation für diese Vermutungen stehen aber oftmals auf äußerst wackeligen, und teilweise sogar diametral verschiedenen Überlegungen. Ich möchte mich hier mit einigen Fällen befassen, und darauf eingehen, auf welchen Überlegungen die Vorstellungen für angeblich Aas-fressendes Verhalten zurückgehen, und natürlich vor allem, was dagegen spricht.

Den Anfang wollte ich mit Dilophosaurus machen, nicht zuletzt deshalb, weil vor kurzem eine sehr interessante Meldung durch die Presse ging, aber dazu später mehr. Dilophosaurus kennen sicher alle die Jurassic Park gesehen haben noch als den kleinen hinterhältigen Raubsaurier, der den verräterischen und nicht minder korpulenten Computerspezialisten Dennis Nedry auf ziemlich unappetitiche Weise von der Leinwand verschwinden läßt. Der Dilophosaurus-Animatronic sah an sich ziemlich gut aus, mal abgesehen davon dass er viel zu klein war, aber die Macher von JP ließen sich es nicht nehmen, ihm noch eine frei erfundene Kragenechsen-artige Halszierde zuzugestehen, die ebensowenig auf Fakten basiert, wie das Spucken von Gift.

Dilophosaurus war für die Zeit in der er lebte ein ziemlich großer Raubsaurier, einer der größten die es damals gab, und erreichte eine Länge von 6m bei einem Gewicht von etwa einer knappen halben Tonne. Er gehörte noch einer ziemlich primitiven Gruppe von Raubsauriern an, was sich darin zeigte dass er an der Hand noch vier, und nicht wie praktisch alle späteren Theropoden drei Finger hatte. Dieser vierte Finger war schon relativ klein und in der Rückbildung bemeßen, genau wie zwei seiner fünf Zehen (ebenfalls ein primitives Merkmal, die moderneren Theropoden hatten alle nur noch vier Zehen). Insgesamt war Dilophosaurus relativ schlank gebaut für einen Raubsaurier seiner Größe, die meisten größeren Theropoden waren deutlich kompakter. Das wohl herausragenste Merkmal dieses Tieres waren die beiden vertikalen, einigermaßen halbkreisförmigen Knochenkämme auf dem Schädel. Ihre genaue Funktion is unbekannt, doch vermutlich spielten sie entweder eine Rolle in der innerartlichen Kommunikation, oder sie waren möglicherweise Rangabzeichen bei den Männchen, ähnlich wie bei vielen Vögeln. Ein weiteres ungewöhnliches Merkmal waren die Kiefer und Zähne. Die Kiefer waren relativ schmal und schwach, und wohl kaum in der Lage besonders kräftig zuzubeißen. Zudem besaß er im vorderen Teil der Schnauze eine seltsame Einkerbung, so dass es beinahe aussah als hätte er mal eins auf die Nase bekommen, woraufhin die Schnauzenspitze schräg nach unten wuchs. Auch die Zähne waren eher ungewöhnlich, da sie ziemlich lang, und dabei relativ dünn waren.

Die Argumentation für eine Aas-fressende Lebensweise beläuft sich nun vor allem auf die drei Eigenheiten, nämlich die Kämme auf dem Kopf, die schwachen, seltsam geformten Kiefer, und die langen dünnen Zähne. Nach der Auffassung mancher Wissenschaftler war Dilophosaurus nicht in der Lage Beutetiere mit seinen Kiefern und Zähnen zu töten, zudem wäre die Gefahr dass bei einer Jagd die dünnen Kämme zu verletzen, viel zu groß. Folglich soll Dilophosaurus also durch die Gegend gestreift, und nach Kadavern gesucht haben.

Aus irgend einem Grund gehen viele Paläontologen scheinbar davon aus, dass in der Wildniss überall Kadaver herumliegen, von denen sich eine beliebig große Anzahl beliebig großer Tiere ernähren kann. Dabei wird zun einen übersehen dass Kadaver zwar in der Natur vorkommen, dass dies aber ein relativ seltenes Ereigniss ist, nicht zuletzt deshalb weil schwache oder kranke Tiere in der Regel schon zu Lebzeiten Raubtieren zum Opfer fallen, und weil eine ganze Reihe opportunistischer kleiner Raubtiere in der Regel als erstes an einem Kadaver ist, und ihnen oft ein nicht geringfügiger Teil des Fleisches zufällt. Könnten große Fleischfresser tatsächlich ausschließlich von in der Gegend herumliegenden Kadavern ernähren, dann könnte man das heute noch sehen. Tatsächlich gibt es unter den Großtieren aber keinen einzigen reinen Aasfresser.

Mal angenommen Dilophosaurus wäre tatsächlich ein Aasfresser gewesen, wäre er dann in der Lage gewesen einen Kadaver überhaupt sinnvoll zu nutzen? Lange dünne Zähne und relativ schwache Kiefer sind alles andere als gut geeignet um von Kadavern zu fressen. Sinnvoll wären bei einer solchen Lebensweise viel eher kräftige Kiefer und kürzere, breitere Zähne, um so Stücke aus größeren Kadavern herauszureißen. Ein dem Dilophosaurus noch einigermaßen vergleichbares heutiges Tier, das in der Lage ist die Körper toter Tiere extrem gut in Stücke zu reißen ist der Komodowaran. Er hat robuste Kiefer, und nach hinten gebogenene, relativ kurze und kompakte Zähne. Unabhängig davon dass Komodowarane sehr gute Jäger sind, ist ihr Schädel und Gebiß darauf ausgerichtet Kadaver in kürzester Zeit zu zerlegen, unabhängig davon ob es Fleisch von einem gefundenen, oder selbst gejagten Tier handelt. Tiere die viel Fleisch von größeren Tieren fressen, haben in der Regel ziemlich ausgeprägte schneidende Anteile in ihrem Gebiss, lange dünne Zähne deuten in der Regel eher auf andere Nahrung hin.

Dilophosaurus war also wohl weder in der Lage für größere Tiere tödliche Bisse auszuteilen, noch war er besonders gut darin Kadaver zu verwerten. Dann kommt noch die Sache mit den Kämmen dazu. Inzwischen hat man noch einige andere mittelgroße Theropoden gefunden, die teilweise ebenso skurrile wie relativ zerbrechliche Kopfschmücke trugen. Dass solche Gebilde bei der Jagd auf große und wehrhafte Tiere sicher nicht gerade von Vorteil war, dürfte wohl sicher sein. Aber daraus gleich zu schließen, dass diese Tiere gar nicht jagten, halte ich für wenig sinnvoll. Wenn man die heutigen Raubtiere betrachtet, so fällt auf dass keineswegs alle auch tatsächlich größere Tiere jagen. Der südamerikanische Mähnenwolf etwa, ernährt sich trotz seiner Größe fast ausschließlich von relativ kleinen Nagetieren, genau wie der Abessinische Fuchs(bzw Wolf). Der Erdwolf begnügt sich trotz seines Hyänenerbes mit Insekten, und viele andere Fleischfresser haben sich ebenfalls nicht in der Rolle eines gefährlichen Großwildjägers festgefahren. Von den Fleischfressern unter den Säugetieren gibt es keine die besondere Ausbildungen haben, die mit den Kämmen von Dilophosaurus vergleichbar wären. Unter den Vögeln gibt es aber eine ganze Reihe teilweise recht großer Arten, die trotz einer jagenden Lebensweise ausgeprägte Auswüchse an Kopf oder Schnabel haben. Ein Beispiel wäre der Sudan-Hornrabe, ein ziemlich großer Vogel, der mit seinem riesigen Schnabel in den Savannen vor allem Reptilien, größere Insekten und auch mal kleinere Säuger fängt. Der seltsame Buckel auf dem Kopf scheint ihn dabei wenig zu stören, genausowenig die die teils enorm großen Schnabelfortsätze der Nashornvögel, welche ebenfalls oft kleinere Tiere fangen.

Bedenkt man dass Dilophosaurus ziemlich schlank und wenig gewesen ist, und obendrein einen abspreizbaren Finger besaß, so erscheint es weitaus logischer zu vermuten dass er sich statt von großen oder gar schon toten Tieren, eher von kleineren Beutetieren ernährte, die er vielleicht mit seinen Klauen greifen, und mit den relativ schwachen Kiefern töten könnte, wobei auch keine Gefahr bestände, dass sein Kopfschmuck Schaden nähme.

Betrachtet man nochmal die Kiefer von Dilophosaurus, so kann man sogar noch einen Schritt weiter gehen. Die seltsame Einkerbung und der nach unten weißende Knick im Oberkiefer kommen nämlich noch bei anderen Tieren vor, nämlich beispielsweise bei Krokodilen oder den Spinosauriden, von denen man aufgrund verschiedener Hinweise davon ausgeht, dass sie eine gewisse Spezialisierung auf Fische entwickelt hatten. Seltsamerweise hatte auch das mit einem großen Rückensegel ausgestattete Reptil Dimetrodon einen ähnlichen Knick im Kiefer, wobei hier fraglich ist, ob hier ein Bezug zu einer Fische-jagender Lebensweise bestand. Diese besondere Form der Schnauze scheint gewisse Vorteile beim Packen von Fischen zu haben, und an dieser Stelle bekommen auch die recht langen dünnen Zähne einen Sinn, denn selbst wenn diese nicht gut zum Zerteilen von Fleisch sind, so eignen sie sich doch ausgezeichnet um einen schleimigen zappelnden Fisch festzuhalten.

Derartige Beutetiere würden auch keine starken Kiefer zur Tötung benötigen, genausowenig wie sie eine Gefahr für verletzungsanfällige Kopfaufbauten darstellen würden. Auch die schlanke Gestalt und dier lange beweglich Hals würden gut zu einem Fischfresser passen, der wie ein riesiger Reiher an Gewässern oder in Sumpfegebieten nach Beute suchte.

Diese Vermutungen hatte ich schon vor relativ langer Zeit, und zugegebenerweise fühlte ich eine gewisse Bestätigung, als vor kurzem ein Verwandter des Dilophosaurus gefunden wurde, der nicht nur die gleiche Größe und das seltsame Gebiss hatte, sondern man konnte anhand von mehr als 3000 fossil erhaltenen Spuren nachweißen, dass diese Tiere häufig in Seen wateten, oftmals bis in Wasser dass ihnen bis zur Brust gereicht haben muss. In jenen Gewässern gab es eine ganze Reihe größerer Fische, die für einen solchen Jäger eine respektable, aber doch noch zu überwältigende Beute dargestellt haben dürften. Dass auch Dilophosaurus ein ähnliches Verhalten zeigte, ist insofern durchaus nicht unwahrscheinlich.